Seit wir vor einiger Zeit über das vermeintliche Wundermittelchen “AMIX 200″ berichtet haben, erhalten wir immer mehr Besuche von Menschen, die sich glücklicherweise erst informieren bevor sie bestellen. Leider erhalten wir aber auch Feedback von Menschen, die das viele Geld schon ausgegeben haben und nun enttäuscht ihrem Ärger Luft machen.
Auch heute soll es wieder um ein solches Mittel gehen, das zur Zeit mit schreienden, doppelseitigen Anzeigen in Fernsehzeitschriften und anderen Printmedien beworben wird. Der Name des Produkts lautet “Chronoslim” und schon beim ersten Hingucken fallen erstaunliche Parallelen mit “Amix 200″ ins Auge. Doch eins nach dem anderen.
Chronoslim ist laut Anzeige ein “Rundum-Sieg der Schlankheit” mit dem Alibi-Dame Fabienne T. angeblich binnen 9 Wochen ohne Verzicht und ohne Sport 28 Kilo abgenommen haben will. Die Brausetablette Chronoslim besteht, so die Angabe aus Extrakten aus Ananas, Papaya und Mate, also aus “100% natürlichen Wirkstoffen”. Als wissenschaftliches Testimonial wird ein “D. Gilbert” angeführt, der in einem Interview das Produkt in den höchsten Tönen lobt. Angeblich war “D. Gilbert” im Labor “Nutrisante” für die Entwicklung von Chronoslim verantwortlich.
Und hier kommen wir zur ersten “Täuschung” des Kunden. Die Bezeichnung “Labor Nutrisante” spiegelt Wissenschaftlichkeit und Seriosität vor, doch in Wirklichkeit sind die “Laboratoires Nutrisanté” kein Labor im wissenschaftlichen Sinne, sondern schlicht und einfach ein Hersteller von
u.a. Nahrungsergänzungsmitteln (möglicherweise auch von Chronoslim), ansässig in Montaigu Cedex im Loire-Gebiet südöstlich von Nantes.
Der Entwickler von Chronoslim “D. Gilbert” scheint indes eher ein Phantom zu sein. Angesichts der Tatsache, dass dieser Herr eine derart sensationelle Entdeckung gemacht hat, hinterlässt der Mann im weißen Kittel recht wenig virtuelle Spuren. Genau drei Treffer verzeichnet Google bei der Suche nach “D. Gilbert” – und allesamt sind sie recherchierende Webseiten wie die unsere. Und dass “D. Gilbert” bei schnellem Überfliegen als “Dr. Gilbert” gelesen werden könnte, mag Zufall sein, oder aber bewusstes Kalkül der Werbeprofis – man weiß es nicht.
Weil wir uns in unserer Bewertung von Chronoslim nicht nur von unserem Mißtrauen lenken lassen wollten, haben wir eine Expertin gebeten, zur Anzeige von Chronoslim Stellung zu nehmen und uns ihre fachliche Sicht der Dinge mitzuteilen. Dr. Barbara Arend-Metzger, Diplom-Oecotrophologin und Ernährungsberaterin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) war freundlicherweise bereit Purzelpfund.de Rede und Antwort zu stehen.
Purzelpfund.de: Frau Dr. Arend-Metzger, ich zitiere einfach einmal den fett gedruckten Text, mit dem die Chronoslim-Anzeige überschrieben ist. “Als ich meinen Freunden erzählt habe, dass ich mit Brausetabletten 28 kilos in 9 Wochen verloren habe, ohne auf etwas zu verzichten und ohne Sport zu treiben, haben sie alle gelacht…” Frau Arend-Metzger, lachen Sie auch?
Dr. Barbara Arend-Metzger: Nein, selbst wenn eine solch schnelle Abnahme möglich wäre, so wäre sie doch zutiefst ungesund. Da ist zum einen die Haut, die bei solch
einer Abnahmegeschwindigkeit gar nicht im selben Tempo mitschrumpfen kann. Zweitens sind im Körperfett fettlösliche Giftstoffe gespeichert, die ebenfalls ausgeschwemmt werden würden. Ginge das wirklich in diesem Tempo vonstatten, würden Nieren und Leber massiv geschädigt.
Purzelpfund.de: Könnte das Fett denn zumindest theoretisch wie beschrieben in diesem Zeitraum abgebaut werden?
Dr. Barbara Arend-Metzger: Definitiv nein. Fett ist gespeicherte Energie und Energie kann nicht ausgeschieden werden, die muss abgebaut werden. Wenn man außerdem berücksichtigt, dass ein Gramm Fett 9kcal entspricht, ein Kilo Fett also mit 9000 kcal zu Buche schlägt – im Gegensatz zum 2500 kcal-Tagesbedarf eines erwachsenen Menschen – dann kann man sich selber ausrechnen, welche Energiemengen verbraucht werden müssten, um 28 Kilo Fett abzubauen.
Purzelpfund.de: Was wäre denn eine in Ihren Augen realistische und vor allem gesunde Gewichtsabnahme?
Dr. Barbara Arend-Metzger: Zwei bis vier Kilo pro Monat sind noch vertretbar, alles was schneller geht trägt das Risiko eine Gesundheitsgefährdung in sich.
Purzelpfund.de: Gut, das heißt also, die Chronoslim-Vorher-Nachher-Frau hätte für Ihre Abnahme eher 7 bis 14 Monate statt der angegebenen 9 Wochen brauchen dürfen.
Die Funktionsweise von Chronoslim wird in der Anzeige wie folgt beschrieben: “Die 3 Wirkstoffe, aus denen Chronoslim besteht, dringen von selbst in das Fett ein (dank der sprudelnden Wirkung), setzen sich daran fest, lösen es und sorgen für seine natürliche Ausscheidung. Schon zu Beginn Ihrer Kur löst Chronoslim das Fett auf, lässt Fettpölsterchen schmelzen und setzt überschüssiges Wasser frei.” Ganz abgesehen davon, dass der Körper zu Beginn einer Diät immer entwässert – was halten Sie von dieser Beschreibung.
Dr. Barbara Arend-Metzger: [Lacht laut und herzlich durchs Telefon] Köstlich, das ist wie das Bild einer Kerze, die man anzündet und dann schmilzt das Fett / Wachs weg. [ernst] Nein, das ist ja albern, schlicht und einfach albern. Die Bestandteile des Mittels Ananas, Papaya und Mate, sind zwar grundsätzlich verdauungsanregende Substanzen, aber so etwas funktioniert dann doch nicht. Fett wird nicht gelöst und ausgeschieden, das muss abgebaut werden.
Purzelpfund.de: Könnten Sie ein Produkt wie Chronoslim guten Gewissens empfehlen?
Dr. Barbara Arend-Metzger: Nein. Das ist rausgeschmissenes Geld, völliger Quatsch. Es gibt keine Wundermittel. Wer abnehmen will, muss das Fett verbrauchen.
Purzelpfund.de: Wir sagen Dankeschön für Ihre Stellungnahme!
Was zusätzlich stutzig machen sollte:
Die Anzeige nennt weder den Namen, noch irgendeine Adresse der vertreibenden Firma, Telefonkontakt ist nur ins österreichische Ausland möglich. Zudem ist die Telefonnummer der Chronoslim-Hotline der Nummer der Amix 200-Hotline verdächtig ähnlich.
Frau Dr. Barbara Arend-Metzger ist Diplom-Oecotrophologin und DGE Ernährungsberaterin in München und eine gefragte Expertin (Bayerischer Rundfunk, SZ-Magazin) in Sachen Ernährung und Diäten.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie dreist Menschen über den Tisch gezogen werden (können). Daher bin ich für das obig angeführte Interview mit Fr. Dr. Barbara Arend-Metzger dankbar, in dem das emotional besetzte Thema Übergewicht mit sachlichen Fakten hinterlegt wird, damit Manipulationen mit vermeintlichen Wundermitteln aufgedeckt werden.
Besonders verwerflich finde ich in diesem Zusammenhang, dass durch gezielte Irritationen (D. Gilbert sowie wissentschaftlich klingende Labornamen) und Fehlinformationen die Leichtgläubigkeit von Mitmenschen ausgenutzt wird, die eventuell, bedingt durch das Übergewicht, psychisch anfälliger für solche Strohhalme sind.
Dass es möglich ist, einen äußerst komplizierten biochemischen Umwandlungsprozess zum Lagern und Verwenden von Fetten im menschlichen Körper mittels Brausetablette zu umgehen, ist hanebüchener Unsinn bar jeglicher Grundlage.
Das Sport auf jeden Fall zum Abnehmen dazugehört, erklärt sich alleine schon durch das erst zu leerende Kohlenhydratelager des Körpers. Danach werden die schwerer zu ergatternden Fettpolster angegriffen.
Um nochmals die Zahlen zu verdeutlichen, die im Interview genannt werden: 28 Kg Fett entsprechen 196.000 Kcal, die bei einem angenommenen Kcal-Bedarf von 2500Kcal/Tag in satten 74 Tagen verbraucht werden. Wie das abläuft, kann unter http://de.wikipedia.org/wiki/Verhungern nachgelesen werden.
Zum Abschluss möchte ich noch feststellen: Haben Sie den Unterschied zwischen wissenschaftlich und wissentschaftlich realisiert?
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Hallo,
ich wollte vor kurzem auch dieses chronoslim bestellen.
Aber gut das ich auf eure webseite aufmerksam geworden bin.
Für mich heißt das,ich werde die Finger davon lassen.
Danke für die Informationen
Ich bin immer kritisch, wenn Ärzte oder Organisiationen etwas verteufeln, das sie nicht selbst ausprobiert haben.
Haben Sie auch Negativmeldungen von Betroffenen? Ich habe Ihre Website aufgesucht, weil mich immer beide Seiten interessieren.
Ich benötige keine Abnehmpille, aber ich kenne die Wirkung von Enzymen, da ich ich in einer SH für Neurodermits tätig bin und grundsätzlich die Erfahrung gemacht habe, dass der größte Krankmacher der “Mangel” ist und die Betroffenen wären hocherfreut, wenn sich endlich Ärzte mit diesem Problem befassen würden, anstatt Medikamente zu verschreiben.
Es geht hier nicht darum ein möglicherweise wirkendes Präparat zu verteufeln, sondern Menschen vor einer perfiden Masche zu bewahren, mit der sie um Ihr Geld gebracht werden sollen. Selbst wenn man das Produkt mal beiseite lässt, weißt alleine die Art des Marketings soviele Hinweise auf zweifelhafte Geschäftemacherei auf, dass man aufhorchen sollte. Nimmt man nun noch die Tatsache hinzu, dass der erwähnte Doktor nicht existiert, ebenso wenig wie sein Institut, dass reihenweise Leute versuchen, Ihr Geld wegen Wirkungslosigkeit des Präparats zurückzufordern, sollte man noch stutziger werden. Und wenn dann noch anerkannte Ernährungswissenschaftler den Humbug bestätigen, dann habe ich persönlich nur wenig Zweifel daran, dass es hier um wirkungslose Präparate geht.