Das Gelbwurst-Debakel

Verfasst am 29. Februar 2008 in Toms Tagebuch (WW), Tagebücher, Allgemein von Redaktion

gelbwurst_.jpgSüße Kindheits-Erinnerungen. Beim Metzger, die Kinderaugen genau auf Höhe des Objekts der Sehnsucht: die dicke Rolle Gelbwurst. Und bei jeder neuen Bestellung der Mutter die mitschwingende Hoffnung, jetzt doch endlich von der Verkäuferin erspäht zu werden. War es dann soweit, ging es buchstäblich um die Wurst: Augenkontakt, süß aussehen und dann kamen sie auch schon, die ersehnten Worte: “Mogsch a Wurscht?” klangen diese Worte im derben Augsburgerisch für mich als Kind doch viel lieblicher als die Chöre auf meiner Lieblings-Weihnachtslieder-Schallplatte.

Zwei Rädchen Gelbwurst gab es meistens, nachdem man mit einem eifrigen Nicken die Frage beantwortet hatte und dann auf die Taschenablage der Wursttheke kletternd der ausgestreckten Hand der Verkäuferin entgegenkam. Diese Wursträdchen wurden dann entweder auf einen Haps verschlungen, oder mit den jungen Zähnen mit kunstvollen Nagemustern versehen.

Diese Zeit ist lange her und auch der Zeitpunkt an dem ich das letzte Mal Gelbwurst gegessen habe, ist lange her. Falsch! Der Zeitpunkt an dem ich das VORletzte Mal Gelbwurst gegessen habe ist lange her. Über zwei Jahre würde ich sagen, also sogar deutlich vor dem Beginn unserer Abnehmtour. Ich habe ehrlich gesagt auch nichts vermisst in dieser gelbwurstlosen Zeit.

Vorgestern dann der Rückschlag. Bei einem Bekannten eingeladen, stellte die Hausherrin Brotzeit auf den Tisch: Essiggurken, frische Tomaten, gekochte Eier, Brot… und Gelbwurst - mit und ohne Kräuter. Alles in allem verteilten sich rund 500 Gramm Gelbwurst auf dem Tisch. Ich versuchte heldenhaft der Versuchung zu widerstehen., versuchte mit Tomaten und Essiggurken einen weitgehende Sättigung zu erreichen.

Napoleons Niederlage bei Waterloo kann nicht endgültiger gewesen sein, als meine Kapitulation angesichts der leckeren Gelbwurst, die genau vor mir auf dem Tisch lag. Zwei Broten, dick mit Gelbwurst belegt, habe ich an diesem Abend noch den Garaus gemacht. Schuld war wohl die Frage des Bekannten, der mir dei Wurstplatte unter die Nase hielt und fragte: “Mogsch a Wurscht?”

 

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