Fünf Kilo in zehn Tagen – Die Appendix-Diät

13. März 2008 | Von | Kategorie: Allgemein

Wer schon einmal das Glück oder Unglück hatte, als Student eine wissenschaftliche Arbeit abfassen zu müssen / dürfen / können, dem ist der Begriff “Appendix” wohl bekannt. Der “Appendix” ist ein beim Verfasser oft große Qualen auslösender Anhang an den Korpus der eigentlichen Arbeit, der mit allerhand unnützem Zusatzwissen gefüllt ist. Es ist insofern nicht verwunderlich, dass es auch dem ambitioniertesten Studenten von Zeit zu Zeit in den Fingern juckt, den Appendix eines eben exzerpierten Werkes einfach herauszureißen, um die Qualen zu beenden.

Ganz ähnlich verhält es sich mit einem anderen unnötigen Anhängsel, das man oft jahrelang mit sich herumträgt. Die Rede ist vom so genannten “Appendix vermiformis”, im Volksmund eher als Blinddarm bekannt. Ganz korrekt ist diese Aussage jedoch nicht, da dieser Appendix lediglich den “Wurmfortsatz” des Blinddarms bezeichnet. Genaugenommen ist also eine Appendizitis keine Blinddarmentzündung sondern eine Wurmfortsatzentzündung des Blinddarms. Weil ersteres aber einfach besser von den Lippen geht, hat sich Blinddarmentzündung weitgehend eingebürgert.

Vergangene Woche hatte ich die – im wahrsten Sinne des Wortes – einmalige Gelegenheit, die Eignung einer ausgewachsenen Appendizitis zur zielgerichteten Gewichtsabnahme am eigenen Bauch zu testen. Zugegeben, ich hätte gerne auf die Erfahrung verzichtet, aber wenn es mal soweit ist, dann hat man meistens keine Wahl mehr.

Anfangs (Mittwoch) dachte ich noch, ich hätte mir die Bauchmuskulatur verzogen oder verlegen, am Donnerstag nahm ich an, diese Dehnung wäre schlimmer geworden. Am Freitag begann ich dann die Ursache im Körperinneren zu suchen und ging von einem gereizten Darm aus. So falsch lag ich damit ja gar nicht, doch meine Versuche mit pflanzlichen Magentropfen für Linderung zu sorgen, schlugen fehl. Als am Samstagnachmittag noch keine Besserung eingetreten war, suchte ich doch schließlich einen Arzt auf, denn eigentlich wollten wir am Abend noch auf eine Party von Freunden.

narbe.jpgDie ärztliche Untersuchung ergab erhöhte Leukozytwerte sowie einen erhöhten Wert des C-reativen Proteins – sichere Zeichen für eine schwere Entzündung. Genaueres konnte der Bereitschaftsarzt jedoch nicht feststellen und entließ mich mit pflanzlichen Tropfen und der wohlmeinenden Empfehlung “Wenn’s der Blinddarm ist, wird er sich schon melden!” nach Hause. Inzwischen wurden die Schmerzen minütlich mehr, die Party hatten wir schon gecancelt und gegen halb neun bemühten wir den ärztlichen Notdienst. Die Dame warf einen kurzen Blick auf die Blutwerte vom Nachmittag und das Häufchen Elend auf der Couch und sagte nur “Klinikum, JETZT!”

“Gehe in das Klinikum, begib dich direkt dorthin, gehe nicht über LOS, ziehe nicht….” Um 22 Uhr trafen wir im Krankenhaus ein, um 2 Uhr rollten mein Blinddarm und ich noch vereint in den OP, als ich morgens um 6 von den Stationsschwestern geweckt wurde, gingen wir bereits getrennte Wege. Wobei – von gehen konnte vorerst noch keine Rede sein. Liegen war angesagt und das ausschließlich auf dem Rücken, paradiesisch für einen Bauch- und Seitenschläfer. Überkopf Lesen kann ich nicht, also blieb mir nicht viel mehr, als der Wanduhr beim Ticken zuzusehen. Lediglich der Besuch von Tina und Freunden am Nachmittag brachte ein wenig Abwechslung.

Apropos Abwechslung – die gab es beim Essen, zumindest farblich. “Cremesuppe” hieß es in den ersten Tage oft auf dem Speiseplan “Schonkost”, mit der mein strapazierter Bauch gefüttert werden sollte. Mal rot, mal grün und mal farblos präsentierte sich die Suppe ohne Geschmack. “Loreley-Suppe” nannte es Tina, frei nach dem Lied “Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…”. Als man mir nach fünfeinhalb Tagen endlich “echtes Essen” (Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat) zum Mittagessen ankündigte, verfügte der zuständige Oberarzt meine Entlassung. Kurzzeitig wusste ich nicht, ob ich mich nun ärgern oder freuen sollte.

Eine Woche bin ich nun zu Hause und habe die meiste Zeit liegend zugebracht, um die rund 12 cm lange OP-Narbe und die Narben der Drainagen zu schonen. Seit Mittwoch sind die Fäden und Klammern entfernt und so langsam halten normale Bewegungsabläufe wieder Einzug. Aufrecht sitzen ohne Schmerzen geht inzwischen ganz gut – auch am Computer, d.h. ab sofort wird es wieder Interessantes auf Purzelpfund zu lesen geben.

Und das allerwichtigste: 5 Kilo sind zusammen mit meinem Blinddarm auf der Strecke geblieben. Nun hätte ich unter normalen Umständen wohl keine fünf Kilo abgenommen, ich bin mir aber nicht sicher, ob ich diese Art der Gewichtreduktion guten Gewissens empfehlen kann, schließlich ist es doch ein recht schmerzhafter, unbequemer und alles andere als kulinarisch ansprechender Weg. Aber was tut man nicht alles… ;-)

Nochmals vielen Dank für die lieben Genesungswünsche, die bei uns eingegangen sind, ich habe mich sehr darüber gefreut.

Danke, Euer Tom

7 comments on “Fünf Kilo in zehn Tagen – Die Appendix-Diät

  1. Gute Besserung :)
    Blinddarm … keine schlechte Idee! Ich habe schon öfter überlegt, mir einfach ein Bein amputieren zu lassen. Dann wäre ich nicht nur meinem Idealgewicht näher, sondern hätte auch noch eine hervorragende Ausrede, was künftigen Sport angeht.
    Aber da es doch unpraktisch ist und die falschen Männer anlockt (ich will keinen, der ausdrücklich auf Amputierte steht ;-) entwickle ich gerade eine Vibrator-Diät … oder so … naja …

    Ruby

  2. @Horst: Danke vielmals :) – Dass er nicht “nutzlos” ist, war mir schon klar, die Übersteigerung hier war vor allem dem Unterhaltungswert geschuldet ;) . So ganz falsch lag ich aber auch nicht, wenn ich mal aus Deiner Quelle zitieren darf:

    In Ländern mit hohen hygienischen Standards sei der Schutz durch die Bakterien des Wurmfortsatzes aber wohl überflüssig, so die Forscher.

    @ Ruby: Na dann entwickle mal – ich hoffe Purzelpfund erfährt dann als erste Seite von den Erfolgen ;) !

  3. Freut mich, dass es Dir so langsam wieder besser geht. Ich versuche es gerade mit einer Grippe-Diät, aber mir fehlt noch die Appetitlosigkeit. Ich befürchte so wird das nix. ;-)

    Gruß, Imke

  4. Hallo!
    Ich mußte doch sehr schmunzeln bei Deiner Art von Berichtserstattung.
    War bisher immer stiller Mitleser, allerdings war ich schon lange nicht mehr hier.
    Werde ab jetzt wieder öfter reinschauen … Deine Texte sind immer so erfrischend geschrieben.

    Gute Besserung weiterhin!

    Gruß Kimja

  5. Hallo Kimja,
    vielen Dank, inzwischen geht es wieder besser, die Klammern sind weg und ich kann auch wieder am PC sitzen und tippen. Der Bauch ist zwar immer noch taub, aber die Narbe heilt von Tag zu Tag besser, insofern bin ich ganz zufrieden.

    Auf jeden Fall Danke für die lieben Wünsche und ich freu mich sehr, wenn aus stummen Lesern sichtbare Leser werden. Feedback, noch dazu, wenn es so nettes Feedback ist, freut uns immer.

    Liebe Grüße
    Tom

  6. Schön zu hören, daß es Dir wieder besser geht. Sei froh das der mit Wasser gekochte Haferschleim an Dir vorbeigegangen ist…oder nicht?
    Aber irgendwann zieht man sich ja fast alles rein.
    Also ich zehe persönlich die andere Methode des Abnehmens vor, auch wenn es momentan etwas hakt.
    Weiterhin gute Besserung!
    GLG Andrea

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