Appendix zur Appendix-Diät

Verfasst am 3. April 2008 in Toms Tagebuch (WW), Tagebücher, Allgemein von Redaktion

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Nun sollte man doch meinen können, das mit dem endgültigen Exitus meines lästigen Wurmfortsatzes vor vier Wochen das Drama “Blinddarm” seinen schnellen dauerhaften Endpunkt gefunden hätte. So dachte zumindest ich, der ich meinem Appendix nicht die Macht zugetraut hätte, mich noch aus dem Jenseits, seinem neuen Leben als Pathologie-Präparat, zu quälen.

Und doch, er konnte es. Sonntagabend kamen sie, die Schmerzen , langsam an und abschwellend wie die “La Ola”-Welle in der Allianz Arena. Einziger Unterschied: Um einen mit meinen Schmerzen korrespondierenden Wellenkamm zu bilden, müssten die Fußballfans beim Aufspringen das Planendach des Schlauchboot-Stadions erreichen. Nach fünf Stunden Nicht-Schlaf dann nachts um drei Uhr der Entschluss in die Klinik zu fahren. Am Quartalsletzten konnte ich ja zumindest noch von meiner Praxisgebühr vom Blinddarm zehren. Das hatte schon fast was Amerikanisches: Get three emergencies for the price of one!”

stethoskop.jpgDie Aufnahmeprozedur wurde zum größten Teil von einer jungen Chirurgin durchgeführt, die man offensichtlich genau hierfür aus dem Bett geworfen hatte. Mit zerzaustem Haupthaar und den Blick in die Ferne (ihres Bettes?) gerichtet hörte sie sich die Schilderung der Symptome an, studierte die Ergebnisse der Ultraschalluntersuchung und des Bluttests und wies mich dann “zur Beobachtung” der Station zu, auf der ich schon Anfang März meine Tage verbracht hatte. Während der gesamten Zeit maträtierte sie unablässig einen unschuldigen Kaugummi, entsprechende Schmatzgeräusche inklusive.

Gegen halb sechs morgens schob mich die Schwester schließlich in mein neues Zimmer, wo mein Zimmernachbar, ein drahtiger Mittsiebziger bereits wie ein Wal prustend Waschorgien feierte. Er ließ es sich nicht nehmen, Tina und mir zur Begrüßung die Spuren seiner ebenfalls vier Wochen zurückliegenden Hautkrebs-OP vorzuführen und mich über seine in zwei Stunden erfolgende Neu-Operation zu informieren. Schlafdefizit zu diesem Zeitpunkt: 7 Stunden.

Bin dann gegen 5.50 Uhr eingedöst bis etwa 6. 10 Uhr: Türe auf, Licht an, zwei Schwestern im Doppelpack: “Guten Morgen die Herren, na Herr XY schon fertig für die OP? Herr Purzelpfund, was machen die Schmerzen?” Wieder eingedöst gegen 6.20, immer wieder aufgeschreckt von meinem munter rumorenden Nachbarn, der sich nach Beendigung der Plantscherei in sein schickes OP-Hemdchen warf. Als ich irgendwann auf sein Brabbeln mit einem halb geöffneten Auge reagierte, lächelte mich ein blanker Seniorenhintern aus einem Meter Entfernung an.

Um 6.45 Uhr endlich eingeschlafen bis immerhin 7.07 Uhr. Türe, Schritte, Stimmen, eine davon bekannt: Visite. Mein Nachbar versichert der jungen Stationsärztin eifrig, schon fix und fertig für die OP zu sein. Scheinbar würde er sein Bett am liebsten gleich und höchstpersönlich in den Operationssaal rollen.

Meine Begrüßung nehme ich eher dösend denn wach wahr, nur ein Wort bleibt irgendwie hängen: “Abführmittel” Egal, das Bett ist so kuschelig und warm und ich bin gerade so schön am ein….. ABFÜHRMITTEL!?!?! Ich bin hellwach, doch die Ärztin ist schon weg. Stattdessen freut sich mein Zimmernachbar, dass ich nun wach bin und er mir erzählen kann, was ich noch nicht über sein Leben weiß. Dummerweise ist er ohrenscheinlich auch noch schwerhörig, denn Antworten werden stets mit einem aufmunternden “Hä?” kommentiert. Und seine Sprechlautstärke lässt in mir die Frage aufkeimen, wozu der gute Mann das Telefon auf seinem Nachttischchen stehen hat. Mit dem Organ könnte er einfach aus unserem Zimmerfenster im 10 Stock sprechen, seine Frau könnte ihn zu Hause bestens verstehen.

Um 7.39 und 32 Sekunden verschwindet seine winkende Hand aus der Zimmertüre und ich sinke in die Kissen. “Süßer Schlaf, ich komme.”

(Fortsetzung folgt) ;-)

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