Appendix zur Appendix-Diät - Teil 2
Was bisher geschah: ![]()
Um 7.39 und 32 Sekunden verschwindet seine winkende Hand aus der Zimmertüre und ich sinke in die Kissen. “Süßer Schlaf, ich komme.”
…denke ich und schließe die Augen…. für geschätzte 45 Sekunden. Dann öffnet sich die Türe und eine weibliche Stimme spricht mich an. “Herr Purzelpfund, hier in dem Glas ist ihr Abführmittel und in dem Glas ist Wasser, trinken Sie’s gleich.”
“Ja, mach ich dann”, brummle ich schläfrig ins Kopfkissen und rühre mich nicht. Es ist grade so gemütlich. Da rüttelt mich eine Hand sanft aber bestimmt an der Schulter. Ich öffne das linke Auge halb und sehe eine Schwester, die mir einen Glaskrug mit einer gelblichen Flüssigkeit vor die Nase hält. “Ich warte solange, bis sie’s getrunken haben!”
“Zu freundlich”, denke ich und greife nach dem Krug. Ich stürze das nach Seifenlösung schmeckende Abführmittel und spüle mit Wasser nach. Ohne die Schwester eines weiteren Blickes zu würdigen, lasse ich mich wieder in die Kissen fallen. SCHLAF - JETZT - BIIITTTEEEEEE!
“Herr Purzelpfund, ich habe ihnen noch Wasser gebracht, sie müssen viel trinken”. Ich hatte die Türe gar nicht gehört, scheinbar hatte sie die gleich offen stehen lassen. Ohne meine Augenlider oder irgendeinen anderen Körperteil auch nur einen Millimeter zu bewegen grunze ich zustimmend und höre erleichtert, wie sich ihre Schritte entfernen. Die Türe schließt sich.
Die Schwester meint es gut mit mir und wartet mit dem Kontrollbesuch bis ich einige Minuten später gerade eingeschlafen bin. “Sie haben ja noch gar nichts getrunken, hier nehmen sie einen Schluck…” Erste Gewaltphantasien tauchen vor meinem inneren Auge auf, als ich das Wasser mit geschlossenen Augen hinunter stürze. Ein kurzes Blinzeln zur Uhr verrät mir, es ist neun Minuten nach acht Uhr.
Ich lege mich auf den Bauch und lausche dem Ticken der Uhr im Zimmer. Binnen Sekunden bin ich eingeschlafen und dieses Mal habe ich Glück, ich werde erst eine knappe Viertelstunde später wieder aus dem Schlaf gerissen. Praktikantin Svetlana, ein laufender Meter vom Balkan stürmt mit Blutdruckmessgerät, Fieberthermometer und einem ungebremsten Eifer in der Miene auf mich zu. Sie ist nett, macht Ihre Arbeit genau und sehr flott, keine zwei Minuten später ist sie schon wieder fort.
Und jetzt habe ich wirklich erst einmal Ruhe, und das im Vergleich zu den bisherigen Intervallen riiiiiichtiiiiiig laaaaaaaang. Wohlgemerkt im Verhältnis. Zwei Stunden später ist es mit der Herrlichkeit vorbei, denn mein Bettnachbar wird schon putzmunter aus dem OP zurück aufs Zimmer gebracht. Unglaublich - ich habe bei nach der Blinddarm-Narkose fast einen Tag im Dämmerzustand zugebracht, und dieser Methusalem ist eine Stunde nach der OP fit wie ein Turnschuh. Jedenfalls erzählt er mir en Detail was die Ärzte so alles mit ihm angestellt haben. Ebenfalls beachtlich, wenn man bedenkt, dass er die Zeit, über die er berichtet, definitiv völlig ausgeknipst im Tiefschlaf verbracht hat.
Was den rüstigen Senior aber am meisten betrübt, ist die Anweisung der Ärzte, a) im Bett zu bleiben und b) sich möglichst wenig zu bewegen. Leider gilt diese Anweisung allem Anschein nach nicht für seine Kiefermuskulatur. Zum Glück habe ich ein Buch dabei, Bill Brysons “Notes from a small Island”, das ich mir in einer Atempause meines Gegenüber schnappe und zu lesen beginne. Ihn scheint es nicht zu stören und so finden wir den Kompromiss, der unser weiteres “Zusammenleben” regelt. Er erzählt mir allerhand, während ich lese und ich quittiere die Erzählungen wahlweise mit einem “mhmm”, “aha”, oder einem kurzen Blick zu ihm hinüber.
Wir beide sind uns soweit einig, doch ab jetzt haben die Schwestern ihre liebe Not mit ihm, denn schließlich lassen sich ärztliche (und schwesterliche) Aussagen immer so oder so auslegen. Und wer mal 73 Jahre auf dem Buckel hat, der nimmt es erfahrungstechnisch auch mit einem Chefarzt auf…..
Fortsetzung folgt ![]()
















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