Kohlsuppe bis zum Erbrechen

15. April 2008 | Von | Kategorie: Allgemein

Vor einigen Tagen gab es hier auf Purzelpfund einen Beitrag über die Bier-Diät, der mich an einen meiner früheren Abspeckversuche erinnerte – und von denen gab es durchaus einige. Brigitte-Diät, Trennkost, FDH, Herzdiät und all die vielen anderen Bauchweg-Super-Wunderkuren die man jede Woche in irgendeinem bunten Blättchen lesen kann. Wir, das heißt ich zusammen mit meiner Mutter haben sie allesamt ausprobiert und irgendwann wieder demoralisiert aufgegeben. An alle kann ich mich heute problemlos zurückerinnern, nur eine,die löst auch heute noch ein flaues Gefühl im Magen und zitternde Nasenflügel aus: die Kohlsuppendiät.

Damals war diese so genannte Kur noch ein Geheimtipp, das nur von eingeweihten Kohlsuppenesserinnen persönlich weitergereicht zu Eingeweihter weitergereicht wurde wie weiland das heilige Druidenwissen auch per mündlicher Überlieferung erhalten blieb. Das Rezept für die Wundersuppe hatten wir beide also von meiner Tante auf einem oft kopierten Handzettel bekommen, die Eintrittskarte in die Welt der Schlanken lag also quasi vor uns.

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Voll motiviert starteten wir am nächsten Tag zum Einkaufen. Wer in unseren Wagen blickte, musste meinen, wir hätten ein ganzes Karnickelrudel zu versorgen, so türmten sich kiloweise Weißkraut, Tomaten, Karotten, Paprikaschoten, Zwiebeln und was das Rezept uns sonst noch alles auftrug im Wagen. Ich werde nie Papas traurigen, ja fast verzweifelten Blick vergessen, als er bei unserer Ankunft zu Hause zwischen all dem Grünzeug auch nicht das geringste Fitzelchen Leberkäse oder einen Zipfel einer Debreciner entdecken konnte.

Zuhause machten wir uns dann an das Schnippeln der Gemüseberge – und ich entdeckte das wahre Geheimnis hinter gemüseorientierter Ernährung. Durch das Putzen, waschen und schnippeln bekommt der Körper soviel Bewegung, dass er mehr verbrennt, als er durch das kalorienarme Gemüse zu sich nimmt. Man müsste also einen Big Mac nur lange genug und fein genug schnippeln, dann könnte man den auch mit einer negativen Kalorienbilanz futtern.

Gefühlte Stunden später war der größte Topf (Modell “Gulaschkanone”), den Mutters Küche zu bieten hatte vollgestopft mit Grünzeug. Soweit so gut, wenigstens hatten wir während des Gemüseschneidens schon mal keine Zeit zum Naschen gehabt – und sollte sich doch einmal etwas ins Kröpfchen statt ins Töpfchen verirrt haben, so war es im schlimmsten Fall ein Stückchen Karotte – also nicht weiter tragisch. Allen Anweisungen des Rezepts hatten wir peinlichst genau eingehalten, nun war es also Zeit, dem Topf Feuer unter dem Hintern zu machen.

Etwa eine halbe Stunde später war unser Zaubertrank dann endlich fertig. Voll freudiger Erwartung ob des kommenden Gaumenschmauses füllten wir uns zwei große Teller bis zum Rand und setzten uns an den Tisch. Die Suppe schmeckte … ähem … sehr “gesund” doch nach ein paar Löffeln hatten wir uns den faden Geschmack des Gebräus gewöhnt – schließlich versprach dieses Wundermittel Entschlackung und Schlankheit. Also immer rein damit, ganz egal ob Salz und Pfeffer mit jedem Teller aufs neue die Schlacht gegen die Geschmacklosigkeit verloren.

Am ersten Tag schaufelten wir, von Papa mißtrauisch beäugt, anweisungsgemäß so viel wie möglich des gesunden Elixiers in uns hinein, jeder Löffel ein Schritt auf dem Weg zur künftigen Traumfigur. Und auch am zweiten Tag hielten wir wacker durch, nur die Portionen ließen wir ein wenig schrumpfen. Schließlich wussten wir ja inzwischen wie die Suppe schmeckte. Und auch die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Tellern Suppe wurde immer größer. Toll wie die sättigte. Und toll auch, dass man mittlerweile auch im Dunkeln den Weg zum Suppentopf finden konnte – man musste nur der Nase nachgehen. Über die geringeren Essmengen und -intervalle machten wir uns keine Gedanken. Motto: Wir wollen ja schließlich abnehmen und da ist es ja gut wenn man nicht so viel ißt….

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Am dritten Tag fielen dann die ersten Mahlzeiten aus. Zum Teil lag das wohl daran, dass wir soooo satt waren, andererseits war auch das Auffinden des Topfes massiv erschwert worden, weil irgendein unbekannter Saboteur die Suppe auf den winterlich weißen Balkon verbannt hatte. Erschnuppern unmöglich. Dafür war es auf dem Balkon plötzlich unerklärlich ruhig. Das Vogelhäuschen, oberhalb des Suppentopf-Standplatzes gelegen, war sonst um die Vormittagszeit ein Hort der Lebensfreude, wo Vögel lustig zwitscherten und um Körner kämpften. Heute war es still, kein einziger Vogel auf unserem Balkon.

Die Suppe sättigte übrigens weiterhin hervorragend. Ab dem vierten Tag reichte ein Anheben des Deckels, ein Blick, ein schneller Atemzug um festzustellen “Ich bin satt, ich habe keinen Hunger, ich brauche einen Schnaps!” Und während der Schnaps die Übelkeitsattacke bekämpfte kam Papa um die Ecke, mit einem Paket voll dampfendem Leberkäse….

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3 comments on “Kohlsuppe bis zum Erbrechen

  1. dämlicher beitrag ich hab nach der schwangerschaft 24! Kilo in 3 Wochen (mit je einer woche pause dazwischen) abgenommen , aber ohne disziplin gehts halt nicht.
    Klar die suppe riecht richtig fies und ist nicht lecker ,
    aber sie hilft (ohne folgendem jojo effekt)
    und auf das kommts bei ner erolgreichndiät an …
    was ich an dem beitrag so dämlich find du schreibst gar nichts zu den abgenommenen Kilos !???????? Immerhin waren vier tage oder ???

  2. Liebe Anonyme,
    24 Kilo in drei Wochen halte ich mit Verlaub zum Einen für stark übertrieben, zumindest ist es aber äußerst ungesund. Mediziner empfehlen eine Abnahme von 1 bis zwei Kilo pro Monat um den Körper nicht über Gebühr zu belasten und zu schädigen.

    Und noch ein Satz zur Kohlsuppe: Du schreibst ganz richtig “Ohne Disziplin geht’s halt nicht” – aber wenn ich so diszipliniert bin, dann muss ich auch nicht die eklige Kohlsuppe futtern, denn dann kann ich mich auch einfach mit leckerem Obst und Gemüse ernähren. Die Kohlsuppendiät ist wie viele Diäten sehr einseitig und deshalb empfehlen wir sie nicht.

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