Es ist nun rund eineinhalb Monate her, seit das Wii Fit - Balanceboard bei uns eingezogen ist. Weil die letzten zwei Wochen einfach ein bissl viel bei uns los war, habe ich das Board ein wenig vernachlässigt, aber gestern habe ich mir weider eine Stunde gegönnt, und als ich nach einer Netto-Stunde zum Duschen gegangen bin, war ich mir sicher, einThema für einen Wii Fit-Beitrag gefunden zu haben.
Wenn man das Balanceboard zum ersten Mal aktiviert, dann ist man noch ganz amüsiert, dass dieses Board als Animation in der Benutzerführung auftaucht und quasi das Programm “moderiert” und einen einweist. Da das Programm der Wii Fit allerdings, na sagen wir mal “narrensicher” programmiert ist, erübrigen sich die cleveren Hinweise spätestens beim zweiten Mal.
Nun ist es aber scheinbar so, dass das Balanceboard rein genetisch offensichtlich ein Vielsprecher ist und noch dazu gerne zum Scherzen aufgelegt ist - von seinem missionarischen Eifer und seinem Kontrollzwang einmal abgesehen.
Der Rededrang des Balanceboards ist wirklich anstrengend, insbesondere da das Board keinen uneendlichen Sprachschatz besitzt. Selbst wenn man einfach nur mal kurz eines von den kurzweiligen Balancespielen spielen will, muss man sich erst einmal durch einen Redeschwall des Boards klicken, dass einen - insbesondere wenn mehrere Spieler auf der Wii registriert sind -mit allerlei Belanglosigkeiten belästigt, bevor man überhaupt erst beim Spiel angekommen ist.
“Hast Du etwas von Tom gehört? Tom hat schon länger nicht mehr trainiert.” In diesem oder einem ähnlichen Wortlaut verpetzte mich das vorlaute Ding erst vor kurzem bei meiner Frau. Im Mittelalter hätte man dem vorlauten Kasten die nicht vorhandenen Zunge ohne viel Federlesens herausgeschnitten.
Aber vielleicht ist das jetzt alles viel zu vage beschrieben? Begeben wir uns mal eben ins Wohnzimmer. Augenblick ich schalte die Wii ein, jetzt das Balanceboard. Soo, mit der Fernbedienung starte ich Wii Fit, wähle mein Mii aus. und da ist sie schon, die Begrüßung deren Abarbeitung am “Weiter”-Button schon locker die ersten 1000 Kalorien verbrennt.
“Hallo Guten Abend, stehen die Sternchen schon am Himmel” schwafelt die Wii auf mich ein. Sternchen? Keine Ahnung - Gehupt wird draußen wie blöd. Die Türkei ist im Halbfinale. Weiter…
“Meine Güte, Du warst aber lange nicht mehr hier. Aber keine Angst, natürlich kenne ich Dich noch….. Elke! Hihihi, das war nur Spass….” Tätäääää, ein Schenkelklopfer made in Japan. was kann mehr zum Trainieren motivieren. Weiter…
Eine Standardfrage ist unter anderem die oben zitierte - mit wechselnden Hauptpersonen. Jeder, der irgendwann mal auf dem Board stand und nicht zum täglichen Training bei uns in der Wohnung aufschlägt, wird von der Spürnase der Wii Fit gnadenlos verfolgt. Wo ist….??? Weiter…
“Du hast schon länger nicht mehr trainiert, versuche jeden Tag mindestens 30 Minuten zu trainieren” redet mir das animierte Board mit piepsiger Stimme ins Gewissen. “WÜRDE ich ja gerne, wenn Du mich ließest”, grummle ich, zücke die Fernbedienung und drücke Weiter…
“Willst Du Dir einen meiner Fitnesstipps anhören?”, fragt mich das Beraterboard. Nein, ich will nicht, und das sage ich ihr auch jedes Mal, aber sie gibt die Hoffnung einfach nicht auf und mault nach “Irgendwann solltest Du dir einmal Zeit für meine Tipps nehmen.” Ach ja, sollte ich? Weiter…
Die erste Schweißperle steht auf der Stirn, als ich glücklich das erste Auswahlmenü erreiche. Die Entscheidung steht an - Körpertest oder gleich trainieren. Da es sich bei dem Test überwiegend um Balancetests handelt, ist es nicht die dümmste Entscheidung, den TEst zu BEginn einer Trainigssession zu machen, wenn die Muskeln noch nicht müde sind. Also “Körpertest”.
“Hallo, willkommen zum Körpertest. Vor zwei Wochen hast Du eimal gesagt, du hättest nicht abgenommen, weil Du zuviel gegessen hättest. Ich hoffe, das ist nicht mehr vorgekommen.” Wie bitte, was geht das Dich an? Würde ich nicht schon draufstehen, dann würde ich das Board jetzt treten.
Dann die Waage, der BMI-Pfeil schießt nach oben - zwar um Welten besser als damals, als wir die Abnehm-Tour begonnen haben, aber immer noch unterirdisch. “Oh oh, du bist viel zu schwer”, brabbelt die Wii, als ob ich das nicht selber wüsste. “Du solltest versuchen, Dich gesund und ausgewogen zu Ernähren!” “Schlaumeier”, fluche ich inzwischen laut vor mich hin - “was tun wir denn seit über einem Jahr.” W E I T E R . . .
Weil ich mich so aufrege, geht der “Stillstehtest natürlich total in die Binsen. “Der Stillstehtest war wohl nicht so Dein Fall”, frotzelt das Board. “Du solltest diese und jeden Muskelgruppen trainieren. “Dann lass mich das doch wenigstens endlich tun…” Weiter…
Lassen wir es bei diesem kurzen exemplarischen Exkurs bewenden. Die Wii Fit ist als Gerät wirklich ein tolles Ding - aber mit dem quasselnden Board, da haben es die Entwickler eindeutig übertrieben. Ganz abgesehen davon, dass man irgendwann wirklich alle Ernährungsratschläge und Witzlein kennt, nein, der Schmarrn kostet auch noch Zeit. Wenn man eine Stunde netto trainieren will, muss man eineinhalb Stunden einplanen, nicht zuletzt wegen der langen Moderationen. Klar kostet auch das Klicken und Auswählen der Übungen Zeit, aber auf das kann man eben nicht verzichten. Auf das Gebabbel des Boards kann man verzichten.
Nein halt - man kann nicht darauf verzichten. Zumindest gibt es keine Option im Wii Fit Menü, die es dem Nutzer erlaubt, das ganze Boardgeschwafel abzukürzen oder ganz wegzulassen. Ein ehrenwertes Projekt für die Entwickler und die nächste Wii Fit-Generation
Diesen Artikel bewerten:




(7 Stimmen, Durchschnitt: 5 von 5)
Loading …
Social Bookmarks setzen oder Beitrag versenden...