Es hat endlich geklappt, ich habe unser Testgerät in einem ersten Lauf getestet. Un dich muss eines gleich vorausschicken, ich wurde positiv überrascht. Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit dem Gerät, hätte ich mich nicht gewundert, wenn sich die Eindrücke fortgesetzt hätten, doch dazu später mehr.
Das Samsung F110 miCoach wird mit einer Menge Zubehör geliefert, das ich hier jetzt kurz vorstellen möchte:
Das Handy… ist neben seiner offensichtlichen Telefonfunktion auch die zentrale Bedieneinheit des Lauftrainers im Einsatz. Hier laufen die Daten der Zubehörelemente zusammen und werden von hier später auf den PC übertragen.
Die CD… liefert das Samsung eigene Synchronisations-Programm “PC Studio” sowie den “adidas miCoach Synchronizer”. Beide Programme lassen sich problemlos installieren und sind auch für Anfänger leicht zu bedienen.
Das Headset… hat zwei einzelne Bügel-Ohrhörer, die bei mir nicht dauerhaft anzubringen waren. Das Headset dient außerdem als Antenne für das im Handy eingebaute UKW-Radio. etwas ungünstig ist der Anschluss über ein zusätzliches Adapterkabel. So können zwar externe Headsets mit einem Standard-Klinkenstecker angeschlossen werden, dafür hat man dann aber ein relativ langes Kabel zwischen Ohren und Oberarm herumbaumeln.
Der Brustgurt… misst die Herzfrequenz des Sportlers und überträgt die Daten an das Handy. Der Gurt wirkt hochwertig und reicht auch um einen starken Brustkorb herum.
Der Schrittzähler… wird in die Schuhbändel eingebunden und funkt von dort die Schrittzahl zum Handy, zumindest theoretisch.
Die Tasche… verwahrt das Handy während des Laufens. Bedauerlicherweise ist die Tasche recht knapp geschnitten, so dass die Verstauung des Handys etwas unkommod werden kann.
Die Handbücher… sind eigentlich winzige Büchlein, die Kurzsichtige und Menschen mit großen Händen auf eine schwere Prüfung stellen. Ein quadratisches Format mit wenigen Zentimetern Seitenlänge ist zwar ein netter Designgag, aber alles andere als sinnvoll.
Die Technik:
Das F110 hat mich einige Tage auf eine schwere Probe gestellt. Ich habe das Handy ja als Testgerät erhalten und es auch in scheinbar fabrikneuem Zustand erhalten. Das hatte ich bei einem Testgerät nun nicht unbedingt erwartet, aber auf allen Displays klebten Schutzfolien, die Verpackung hatte keine Knicke oder Schrammen und die Original-Siegel waren intakt. Und was macht man(n), wenn er ein neues technisches Spielzeug in Händen hält?
Genau! Er probiert es aus. Und so habe auch ich schon recht bald die einzelnen Komponenten zusammengesucht und versucht einen “Testlauf” zu machen. Den Brustgurt hat das F110 gleich erkannt und registriert, alles easy. Dann der Schrittzähler. Wie in der Beschreibung erklärt, habe ich diesen an meine Schuhe gefrickelt und bin dann in meinem Wohnzimmer ein paar Schritte gejoggt. “Schrittzähler nicht gefunden” teilte mir das Gerät lapidar mit. Hmm? vielleicht war das Handy zuweit entfernt vom Schrittzähler, also befestigte ich das Handytäschchen knapp über dem Ellbogen.
“Schrittzähler nicht gefunden”. Muss der Schrittzähler vielleicht irgendwo synchronisiert werden? Zigmal habe ich mich durch die miCoach Menüs geklickt, nichts. Bedienungsanleitung und diverse Fundstellen im Internet schworen Stein und Bein, dass sich Schrittzähler und Handy gleichsam blind finden würden.
Mein letzter Geistesblitz hieß Batterie. Bei fabrikneuen Geräten gibt es ja oft so einen winzigen Isolationsstreifen aus Kunststofffolie, der ein Entleeren der Batterie verhindert. Auch hier Fehlanzeige - die Batterie war richtig eingelegt und keine Fitzelchen Kunststoff bremste den Kontakt.
Tja und wenn ich an dieser Stelle nur einen Zentimeter logisch weitergedacht hätte, dann hätte ich mein Problem rund eine Woche schneller gelöst. Nur hätte ich nie vermutet, dass in einem neuen Gerät eine leere Batterie liegen könnte. Ich habe also noch diverse Synchronisations-Versuche unternommen, bevor ich in letzter Verzweiflung ein paar Euros in eine Austauschbatterie investierte. Und siehe da: “Schrittzähler gefunden”! Ich war erleichtert.
Der Trainingsplan
Bevor man allerdings begleitet vom mobilen miCoach auf die Strecke gehen kann, muss man sich noch einige Minuten am PC beschäftigen. Schließlich braucht man einen Trainingsplan, auf dessen Basis einen das F110 “coachen” kann. Für einen Trainingsplan benötigt man einen Account auf der in Zusammenarbeit mit Adidas betriebenen Portalwebsite miCoach.com . Außerdem sollten die auf der CD mitgelieferten Software-Applikationen installiert werden.
Auf miCoach.com kann man sich nun relativ einfach mittels weniger Mausklicks den passenden vorgefertigten Trainingsplan aussuchen oder sich einen komplett eigenen Trainingsplan erstellen. Dabei werden Größe, Gewicht und Alter des Trainierenden sowie die im Training zu erreichende Herzfrequenz berücksichtigt und in den Trainingsplan integriert. Mit ein paar weiteren Mausklicks wird der Trainingsplan auf das F110 übertragen, man ist quasi startklar.
Die Vorbereitung
Bevor es losgehen kann muss man sich natürlich vorbereiten. Dazu gehört beim modernen Handyjogger, dass er sich die passende Laufmusik aufs Handy lädt und sich natürlich ordnungsgemäß verkabelt. Als erstes sollte man den Brustgurt anlegen und dessen Elektroden der besseren Leitfähigkeit wegen befeuchten. Dann muss der Schrittzähler in die Schuhbändel verwurstelt werden - eine alternative Befestigungsmöglichkeit für Träger von Schuhen mit Klettverschlüssen gibt es nicht.
Dann gilt es noch die Oberarmtasche anzulegen und das mit dem Headset verbundene Handy in die Tasche zu stecken - jedoch nicht ohne nicht noch vorher über die Handytastatur den Trainingsplan aufzurufen und zu starten.
Der Lauf
Wer hier schon länger liest, der weiß, dass ich kein Freund des Laufens bin. Zum einen finde ich es relativ langweilig, zum anderen geht mir recht bald der Schnaufer aus, weil ich nicht weiß, wie man sich beim Laufen richtig verausgabt. Meine bisherigen Versuche, vom Schulsport und der Bundeswehr mal ganz abgesehen, waren recht demoralisierende Erlebnisse. Aus diesem Grund habe ich meinen ersten Trainingslauf auch vor die Wii Fit verlegt, denn da kann ich jederzeit ohne Gesichtsverlust des Lauf abbrechen und im Falle von technischen Problemen mit meinem neuen Hilfsmittel steht der PC im Nachbarzimmer.
Während meine Musik zu dudeln beginnt, fange ich an, auf der Stelle zu laufen. Nicht zu schnell, nicht zu langsam. Eine Frauenstimme fordert mich auf, “in die Ausdauerzone” zu beschleunigen. Ich erhöhe das Tempo bis mir die Stimme mitteilt, ich hätte die Ausdauerzone erreicht und möchte das Tempo doch bitte für die nächsten vier Minuten halten. Zwischendurch gibt mir die Stimme über den bisherigen Trainingsverlauf einschließlich der verbrannten Kalorien.
Natürlich teste ich, was das Handy unternimmt, wenn man es mit der Herzfrequenz übertreibt, und so lege ich einen kurzen Sprint auf der Stelle hin, die Herzfrequenz übersteigt den für dieses Training angesetzten Wert deutlich. Es dauert nicht lange bis das Handy mich mahnend auffordert, zu bremsen und in die “Ausdauerzone” zurückzukehren.
Dieses erste Training dauert knapp 30 Minuten und ist von einem steten Wechsel zwischen Energiezone (HF 125 - 138) und Ausdauerzone (HF 138 - 152) bestimmt. Auch wenn mir das Wasser die Stirn herabläuft, ich habe die 30 Minuten gut überstanden und auch wenn ich “nur” auf der Stelle gelaufen bin, bin ich doch ganz froh, die 30 Minuten gut überstanden zu haben.
Die Bilanz
Nach einer kurzen, erfrischenden Dusche, hänge ich das Handy wieder an den PC und lade meine Trainingsbilanz auf den Rechner. 30 Minuten Training haben laut Auswertung 533 Kalorien das Leben gekostet. 69 Prozent der Zeit habe ich meine Herzfrequenz im geforderten Bereich gehalten - die zwei Ausreißer auf der Grafik ganz links und gegen Mitte zu sind 1) dem Mißlungenen Versuch, das Handy im Laufen in seine Tasche zu stopfen geschuldet und 2) dem Anruf eines Freundes. Beide Male musste ich kurz “anhalten”.
Die Schrittfrequenz lag laut Handy bei 159 Schritten pro Minuten, was mir persönlich etwas hoch erscheint (ich habe aber leider nicht mitgezählt) - genauso wie 40 zurückgelegte Meter etwas wenig scheinen. Aber vielleicht hat mich das Handy ja einfach beim “auf-der-Stelle-laufen” ertappt. Aus anderen Daten lässt sich aber zumindest eine ungefähr zurückgelegte Distanz von 4 Kilometern errechnen. Auch hier kann ich mir keine Beurteilung anmaßen.
Ich gebe aber zu, dass ich von der Funktion als Trainingscomputer sehr angetan bin, mehr angetan, als von den sonstigen “inneren Werten” dieses Geräts. Die Überwachung der Herzfrequenz und die Vorgabe des Tempos einschließlich der grafischen Aufbereitung der Trainingsdaten wirkt auf mich sehr professionell und überzeugend.
Nicht optimal finde ich dagegen die Oberarmtasche für das Gerät. Das Handy gibt während des Laufs die aktuellen Daten des Laufes in einer farbigen Grafik auf dem Display aus - die man leider nicht sehen kann, da das Handy ja in der undurchsichtigen Tasche steckt. Eine Armegelenksbefestigung mit transparentem Sichtfenster wäre unter Umständen eine sinnvolle Änderung des Konzepts.
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