Fingernagel adeoder "Wie fest müssen Batteriefachdeckel sitzen?"

21. Oktober 2008 | Von | Kategorie: Allgemein

Vor ein paar Wochen haben wir über ein Handy berichtet, das dem (angehenden) Jogger Hilfestellung bei der Aufstellung und Ableistung seines Trainingsplanes leisten kann und soll. Das Gerät kommt aus dem Hause Samsung, trägt die Typenbezeichnung F110 myCoach und wir hatten angekündigt dieses Gerät testen zu wollen. Schließlich ist das ja mal eine Handyfunktion, die Übergewichtigen einen Mehrwert bei einem Handy bietet und zum zweiten, waren wir skeptisch, ob sowas funktioniert.

Ganz so skeptisch war man bei adidas offensichtlich nicht, denn die Firma betreibt das Online-Portal miCoach.com, das mit dem Samsung-Handy quasi kooperiert. Also haben wir uns bemüht ein solches Handy aufzutreiben und haben uns gefreut wie zwei kleine Schnitzel, als und jemand ganz unkompliziert ein solches Gerät für einen Testzeitraum von vier Wochen zur Verfügung gestellt hat.

Nun sind schon drei Wochen der First herum und ich habe bisher noch keinen einzigen Lauf gemacht – das muss ich jetzt alles in einer Woche auf die Reihe bekommen. Dafür benutze ich das Handy alleine seit drei Wochen und werde deshalb meinen Testbericht zumindest zweiteilen. Heute gibt es “Das Handy” als das was es neben seiner Coachingfunktion noch ist – ein Telefon.

Optik: Das F110 ist ein so genanntes Slider-Handy, das heißt, man legt die Tastatur durch Auseinanderschieben von oberer und unterer Hälfte frei. Das Gerät ist 4,5 Zentimeter breit, 1,4 Zentimeter dick und zusammengeschoben gerade mal 10,1 Zentimeter lang – passt also sowohl in Hosen-, Jacken und Handtasche.

Das Gerätegehäuse ist aus anthrazitfarbenem Kunststoff, im oberen Drittel mit einem weißen Mittelstreifen abgesetzt. In der Gehäuserückseite des Geräts findet man das Batteriefach und die eingebaute Digitalkamera. Die Oberfläche der Rückseite ist geriffelt und wirkt bei Berührung als ob ein Gummiüberzug über dem Material läge – vermutlich für besseren “Grip” mit vom Sport nass geschwitzten Pfoten.

Seitlich links liegen Tasten für die Lautstärkeregelung und die Anschlussbuchse für Ladegerät, PC-Synchronisation und Kopfhörer. Gegenüber auf der rechten Seite liegt der Auslöser für die Digicam. In geschlossenem Zustand ist automatisch die Tastensperre für die sieben oben liegenden Tasten sowie das Steuerfeld aktiviert. Neben den Menüsteuertasten gibt es hier zwei Direktstarter für das miCoach-Programm und den mp3-Player, die Löschtaste sowie die Tasten für die Rufannahme und Rufbeendigung. Das F110 ist sicher kein Designklassiker mit hochwertigem Look, aber durchaus ein Handy, mit dem man sich sehen lassen kann.

Handhabung: Meine erste Auseinandersetzung mit dem F100 hatte ich ungefähr zwei Minuten nach dem Öffnen des Pakets. Ich wollte meine Simkarte einlegen und zu diesem Zwecke den Batteriefachdeckel abnehmen. Wir haben fast eine halbe Stunde gerungen, das F110 und ich, bevor ich mit Hilfe eines in den Schlitz zwischen Deckel und Gehäuse geschobenen Fingernagels das Problem lösen konnte. Und nicht nur das Problem sondern gleich auch den Fingernagel. Allerdings scheint das kein Problem speziell meines Testgeräts zu sein, wie folgender Auszug aus einem Testbericht bei ciao.de verrät:

Der Deckel geht nämlich einmal geschlossen nur mit viel Geschick und etwas Kraft wieder auf. Für Leute die häufig die Karte wechsen völlig ungeeignet. Aber zu denen gehöre ich nicht.

Das Gerät selbst liegt eigentlich relativ gut in der Hand – solange diese Hand nicht allzu groß ist. Ich habe ziemlich große Hände und komme gelegentlich in Situationen, in denen mit das Handy zu “fitzelig” ist. Die Tastatur kann ich passabel bedienen, wobei auch hier große Finger definitiv ein potenzielles Problem darstellen.

Mit dem Aufschieben des Handys löst sich die Tastensperre, es kann gewählt werden. Die Menüs werden über die beiden unter dem Display liegenden Tasten bedient. Ein selbsterklärendes System, wie man es aus vielen Geräten kennt.

handymenu.jpgWas ich wirklich schrecklich finde, sind die Menüs des F110. Grafisch einfallslose blaue Icons vor schwarzem Hintergrund, da wäre bei einem Farbdisplay doch sicher mehr drin. Und “mehr drin” beschreibt auch die Digitalkamera ganz angemessen. Zwei Megapixel liegen hinter dem heutigen Standard zurück, auch fehlen im Vergleich zu meinem Standardhandy Samsung i550 Funktionen wie Autofokus oder ein Kameralicht / Blitz – man muss jedoch berücksichtigen, dass es das Handy schon ein Weilchen auf dem Markt gibt.

Schlimm ist auch der Telefonspeicher, der sich mit Outlook synchronisieren lassen soll. Zwar habe ich alle meine Telefonnummern aus Outlook aufs Handy übertragen können, doch aus irgendeinem mir nicht ersichtlichen Grunde hat das Handy beim einen Eintrag den Vornamen, beim nächsten Eintrag den Nachnamen für die alphabetische Sortierung ausgewählt.

Und die Suchfunktion läuft leider nur für den (vemeintlichen) Nachnamen, so dass es auch nicht hilft, einfach den vollen Namen einzugeben. Letzten Endes muss man jeden einzelnen, verdrehten Eintrag editieren. Auch schafft das Gerät die Synchronisierung von Aufgaben und Kalendereinträgen aus einem unerfindlichen Grund nicht – auch das offensichtlich ein Standardproblem, wie der oben zitierte Testbericht verrät.

Ein Gigabyte Speicher hat das F110 schon eingebaut, Platz für Musik aus dem handyeigenen mp3-Spieler. Allerdings, und das ist wieder schade, ist dieses eine Gigabyte das absolute Maximum, einen Slot für Speicherkarten hat das F110 nicht. Auf dem Handy ist auch schon eine gewisse Zahl von “Liedern” zur Sportmotivation vorinstalliert. Diese Stücke sind allerdings aus meiner persönlichen Warte kein besonderer Ohrenschmaus, sondern erinnern mehr an die GEMA-freien Synthesizerklänge aus billigen Reise-DVDs – weshalb ich erstmal eine Auswahl eigener mp3s installiert habe.

Mit Hilfe des mitgelieferten Headsets, das als Antenne fungiert, kann man das Handy auch als Radio nutzen. Der Klang von Handy und mp3-Spieler über Headset ist relativ gut, ohne Headset laesst die mp3-Qualität doch sehr zu wünschen übrig (Radio funktioniert ohne Headset nicht). Das Headset selbst besteht aus zwei separaten Bügel Ohrhörern, die sich zumindest an meinen Ohren nicht dauerhaft befestigen lassen, weshalb ich für den Praxistest auf eigene Kopfhörer umsteigen werde.

Fazit: Das F110 an sich ist ein solides und einfaches Sliderhandy, mehr nicht. Es sieht nett aus und man kann damit telefonieren, womit die Grundbedingungen an ein solches Gerät erfüllt wären. Leider weist es im Bereich Standardzubehör (Speicherslot, Digitalkamera, Headset) und Softwarefunktionen (Outlooksynchronisation) deutliche Schwächen auf. Ohne seine Sport- / Coaching-Funktion käme das Telefon wohl kaum in die engere Wahl für eine Kaufentscheidung. Doch über diese Funktion berichten wir demnächst.

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