In der Zeit als es noch keine Fernseher zur alltäglichen Zerstreuung gab, zogen Jahrmärkte und mit ihnen zweifelhafte Shows der Absonderlichkeiten durch die Welt. Menschen mit Mißbildungen wie etwa der als “Elefantenmensch” in die Geschichte eingegangene Joseph Merrick wurden gegen Eintrittsgeld vorgeführt und sorgten beim Publikum für diesen prickelnden Coktail aus Faszination und Abscheu.
Freak-Shows gibt es heute nicht mehr, heute ist man politisch korrekt. Vordergründig zumindest. Denn Freak Shows gibt es noch, nur werden Sie heute eleganter verpackt. Heute zerren die Sender, die allabendlich XXL-Lokale vorstellen und den Run um das weltgrößte Schnitzel wie eine religiöse Mission verpacken, nur wenige Stunden später, wenn zumindest die kleinsten im Bett sind, die Dicken vor die Kamera.
Heute abend etwa zeigt Kabel eins wieder einmal den Mexikaner Manuel Uribe, den einst schwersten Mann der Welt in einer 37-minütigen Dokumentation. Dass dieser Film aus dem Archiv alles andere als aktuell, ja genau genommen schon recht altbacken ist, das interessiert vermutlich nicht. Hier die Ankündigung der heutigen Sendung.
Monterrey, Mexiko. Mitten im Herzen der pulsierenden Zwei-Millionen-Metropole lebt Manuel Uribe. Der heute 43-jährige Mann leidet unter einer krankhaften Fettsucht und hält bislang mit 560 Kilogramm einen zweifelhaften Rekord: Er ist der schwerste und fettleibigste Mensch der Welt. Jetzt will er abnehmen. Es gibt zwei Möglichkeiten: eine Magenverkleinerung oder eine überwachte Ernährungsumstellung. Beide Wege bergen Risiken …
Am 2. Oktober 2008 hatte “Stern Online” allerdings schon berichtet:
Der 43-Jährige hatte 2007 mit einem Spitzengewicht von 570 Kilogramm einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde erhalten. Bis vergangenen Februar gelang es ihm mit Hilfe einer strengen Diät und gymnastischen Übungen, 230 Kilogramm abzuspecken.
Dass Dicke Quote machen sollen, beschränkt sich allerdings nicht nur auf Kabel1. Auch Pro7 schwimmt auf der Adipositas-Welle obenauf und präsentiert den “Biggest Loser”, eine Show, die Hilfe für Übergewichtige suggeriert, die einen Wettkampf um die meisten abgenommenen Kilos inszeniert und dem “Biggest Loser” am Ende 100.000 Euro verheißt.
Pro7 – war da nicht was? Ach so ja. Pro7 ist der Heimatsender von “Wunderwelt Wissen” und “Galileo” für die ein gewisser Jumbo Schreiner das Vertilgen von XXL-Schnitzeln, Hamburger, Krapfen, Dönern, Germknödeln, Hot Dogs und und und zum coolen Lifestyle von heute hochstilisiert. Naja, irgendwo müssen ja die Kandidaten für die nächste “Biggest Loser”-Staffel herkommen.

Die Quote muss halt stimmen. Und der Zuschauer von heute will sich über andere lustig machen oder andere leiden sehen. Sie wollen merken, dass man selbst nicht so “schlecht” ist. Und die TV-Shows geben ihnen genau das. Denn wen stören seine 100kg, wenn es welche mit 560kg gibt?
Nicht der Norm zu entsprechen, zieht die Augen auf sich und die Leute zahlen gern dafür. Eben hatte ich einen Bericht über einer der größten Männer der Welt gesehen – so viel zur Wunderwelt!