Gewicht im Griff

Verfasst am 2. Juli 2008 in Ratgeber, Buchrezensionen, Allgemein von Redaktion

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Die Zeit, in der tausende von nie berufenen Fußballtrainern lauthals fluchend mit Bier und Feinripp-Sportjacke vor der HD-ready-Glotze saßen, ist ja nun mittlerweile vorbei. Und wie so oft kam unsere Elf auch ohne di guten Ratschläge der unzähligen Hobbycoaches zum Erfolg. Glanzlos zwar, aber wie sagte mal ein berühmter Kicker - “Entscheidend ist, was hinten rauskommt”.

Vielleicht sollten sich die Möchtegern-Yogis oder - Hansis einfach mal zu Feder und Tintenkiel greifen und den ultimativen Ratgeber für Nationaltrainer und -spieler verfassen. Ratgeber gehören zu den beliebtesten Büchern, werden gerne gekauft - weil nützlich. Letzteres ist zwar mehr Volksglaube denn Wahrheit, aber es soll in der Tat Ratgeber geben, die Ihren Namen verdienen. Gerade im Bereich der Ernährungsratgeber liegt der inhaltliche Wert vieler Pamphlete unter ihrem Altpapierwert.

Und so waren wir uns anfangs auch nicht schlüssig, was wir von einem Buch erwarten sollten, das von dern Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen herausgebrecht wurde und unter dem Titel “Gewicht im Griff” (ISBN-10: 3940580929) vertrieben wird. Nun genießen Verbraucherzentralen ja gemeinhin einen guten Ruf, so dass wir als Purzelpfund-Redaktion das Buch mit den besten Hoffnungen bestellten.

Titelbild.jpgDas Buch “Gewicht im Griff” ist indes kein Neuwerk. Schon 2004 erschien eine Auflage unter dem Titel “Gewicht im Griff” und nahezu identischer Covergestaltung - allerdings herausgegeben von der Stiftung Warentest. Das Autorenteam blieb auch unter der Regie der Verbaucherzentrale dasselbe. Auffällig ist allerdings, dass die ältere Ausgabe bei Amazon immer noch 14,90 Euro kostet, während das neue Werk für lediglich 12,90 Euro zu haben ist.

Ein Blick ins Vorwort ist der erste Kontakt zu diesem druckfrischen, 256 Seiten starken Buch. Und wir sind entzückt. Keine vollmundigen Versprechen, keine Garantien sondern Hilfe zur Selbshilfe. Aleitung zur dauerhaften Ernährungsumstellung mit der Konsequenz einer Gewichtsabnahme. Nun gut, eine Hauruck-Verbraucherzentralen-Diät hatten wir nicht wirklich erwartet, aber es freut uns dennoch.

In Schritten zum Erfolg

Zehn Schritte empfiehlt das Werk von Hauptautor Maik Groeneveld dem oder der Abnehmwilligen auf dem Weg zum Wohlfühlgewicht. Jawohl, es geht ums Wohlfühlgewicht, nicht ums “Idealgewicht”. Zwar findet auch der BMI als Orientierungshilfe seinen Platz am Anfang des Buches, letzten Ende wird aber kein Gewicht, oder keine Figurform idealisiert, sondern es heißt hier:

Wir empfehlen Ihnen, auf sich selbst zu hören und ihr Wohlfühlgewicht zu Ihrer Richtschnur zu erklären. Möglicherweise kennen Sie ihr Wohlfühlgewicht gar nicht (mehr). Dann muss es während des Abnehmens erst noch herausgefunden werden.

Persönliche Analyse steht am Angang des Abnehmens. Wo will ich hin, warum bin ich da, wo ich bin - Fragen, denen der nötige Platz in Kapitel 1 eingeräumt wird. Wer nicht weiß, woher die Rettungsringe kommen, der wird sie auch nicht beseitigen können. Eine lange Checkliste gibt Hilfestellung bei der Suche nach den (mehr oder weniger) versteckten Kalorien. Das Problem des Diät-Jojos kommt ebenso zur Sprache wie mangelnde Bewegung und eine möglicherweise falsche Ernährungsauswahl.

Anschließend an die Selbsanalyse geht es “ins Praktische” und auch hier dauert es noch bis Kapitel 4, bis erstmals wirklich die Ernährung angegangen wird. Zuerst geht es in jeweils einem Kapitel um den Flüssigkeitshaushalt, und dann um die regelmäßige Bewegung - was ganz nüchtern betrachtet Sinn macht. Kleinere Ernährungs- und Gewichtsprobleme können jetzt schon behoben werden. Etwas mehr trinken etwas mehr Bewegung und die Waagenzeiger können schon nach unten weisen.

“Mehr Gemüse”, “weniger Fett”, “mehr Vollkorn” und “weniger Süßes” lauten verkürzt dargestellt die Überschriften der nächsten Kapitel und wieder gibt es praktische Tipps und ernährungswissenschaftliche Hintergründe und Ratschläge, wie man die - wie im Fall der Süßigkeiten - für manchen schwierige Umstellung ohne große Probleme bewältigen kann. Im Süßigkeitenkapitel gibt es sogar zwei praktische Übungen zum Thema. Nur soviel sei verraten - es geht um Schokolade und Chips!

Erst jetzt, als einer der letzten Schritte wird die Essensmenge angesprochen, kommt der Genuss ins Spiel und schließlich gibt es noch ein ganzes Kapitel zum Thema Entspannung. Für Schnelleser gibt es eine Kurzzusammenfassung des Buches auf wenigen Seiten, einschließlich einer Lebensmitteleinteilung auf Basis der Lebensmittelpyrmaide / eines Ampelsystems.

Rezepte und ein umfangreicher Anhang

Im zweiten Abschnitt von “Gewicht im Griff” finden sich auf 74 Seiten Rezepte zur praktischen Anwendung des zuvor Gelesenen. Frühstücksvariationen, Suppen, Brotaufstriche und weitere Rubriken unterteilen die Zubereitungshinweise, die immer wieder mit Variationen zur herkömmlichen Zubereitung aufwarten. Außerdem werden zu jedem Rezept einschließlich seiner Varianten die Kalorienzahl sowie der Fettanteil basierend auf dem Bundeslebensmittelschlüssel angegeben. Praktisch auch die Übersicht über Löffel-, Stück- und Portionsmaße - denn wer weiß schon jederzeit aus dem Effeff wieviel Gramm ein Esslöffel Sonnenblumenkerne entspricht?

Ein zusätzlicher Pluspunkt des Ratgebers ist sein Anhang, in dem sich gut aufbereitete Informationen zum Energiebedarf, Kopiervorlagen für Gewichtskurven und Essenstabellen ebenso finden, wie eine Übersicht über die gängigsten Diäten einschließlich fachlicher Bewertung, Literaturtipps und die Adressen wichtiger Ansprechpartner rund um Ernährungsfragen.

“Gewicht im Griff” erscheint uns als ein probater Ratgeber, um das angefutterte Über-Gewicht in Eigenregie wieder in den Griff zu bekommen. Das liegt zum Teil an der Zielsetzung einer ausgewogenen Ernährung, die nichts verteufelt und nichts in den Himmel lobt, wie das bei vielen Diätkonzepten der Fall ist. Hier werden für jedermann verständliche Ernährungsfakten vermittelt, die es dem Leser leicht machen, das Gelernte umzusetzen. Als zusätzliche Hilfestellung bietet das Buch in jedem Kapitel Checkfragebögen, Listen oder auch Übungen an, die den Lernstoff - denn nnichts anderes ist eine Ernährungsumstellung - vertiefen.

Als Purzelpfund-Redaktion hat uns das Buch sehr angesprochen, entsprechend doch die Inhalte in weiten Teilen dem, was Tina aus Ihren Weight-Watcher-Treffen an Information mitbringt. Ein großes Wunder ist das nicht, denn sowohl das Buch, als auch die Weight Watchers orientieren sich an einer ausgewogenen Ernährung,die einem auch kleine und gelegentlich große Sünden erlaubt und verzeiht.

Bestellt werden kann der Ratgeber “Gewicht im Griff” zum Preis von 12,90 gegen Rechnung beim Versandservice der Verbraucherzentralen:
Aderstraße 78, 40215 Düsseldorf
Tel:0180-500 14 33
Fax: 0211-3809-235
Internet: www.vz-ratgeber.de
Mail: publikationen@vz-nrw.de

Achtung: Bei der Verbraucherzentrale NRW fallen zusätzlich zum Kaufpreis Versandkosten in Höhe von mindestens 2 Euro an, bei Amazon.de fallen keine Versandkosten an.

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Erlesene Ernährung aus dem Brockhaus

Verfasst am 10. Mai 2008 in Lexika, Buchrezensionen, Allgemein von Redaktion

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Seit wir uns hier auf Purzelpfund.de intensiver mit dem Thema “Ernährung” auseinandersetzen sind wir schon mehrmals in die Situation gekommen, dass wir uns gesagt haben “Hmm, ein Lexikon zu diesem Thema wäre jetzt wirklich eine feine Sache.” Nichts gegen Wikipedia - alles zu seiner Zeit - aber ein Teil von uns ist halt doch noch dem gedruckten Buche verhaftet geblieben, schon alleine aufgrund der Tatsache, das shier nicht jeder x-Beliebige dran herum editieren kann.

brockhaus08.jpgGut, wir wollten also ein Nachschlagewerk und haben uns im Netz auf die Suche begeben. Bei Amazon.de haben wir “Lexikon” und “Ernährung” als Suchbegriffe eingegeben. Die Suchmaschine spuckte allerhand Treffer aus, zwei Bücher blieben in der engeren Wahl: Ein Lexikon von Doktor Oetker und der Brockhaus “Ernährung”. Den Ausschlag gaben schließlich zwei Punkte.

1) Will ich ein Nachschlagewerk zum Thema Ernährung, das von einem der Big Player im deutschen Ernährungsmarkt stammt oder lieber eines, das von einer unabhängigen Lexikonredaktion recherchiert wurde?

und

2) Ich wollte immer schon mal einen echten Brockhaus haben ;-) .

Wir haben uns also den Brockhaus nach Hause schicken lassen. Das erstemal kam ich ins Staunen, als ich das schwere Paket zum ersten Mal in Händen hielt. Tja, geballtes Wissen gibt es nicht in 100-Gramm-Dosen. Das was da aus dem Paket rutschte war schon ein mächtiger Wälzer sit seinem in braun und orange gehaltenen Einband. Schon dieses “Buchgefühl” war fantastisch, wenn jetzt noch der Inhalt passte….

Achja, der Inhalt. Auf 702 Seiten wird alles behandelt, was zwischen “Aale” und “Zytostatika” im weitesten Sinne mit Ernährung zu tun hat. 3500 Stichwörter, verrät der Klappentext, sind im Inneren des Buches aufgeführt. Ich habe mir, und das sage ich ganz ehrlich, nicht die Mühe gemacht das auch nachzuzählen, aber es sind wirklich verdammt viele Stichworte aus nicht ganz sovielen Themenbereichen. Eine willkürlich aufgeschlagene Seite - in diesem Falle die Seite 452 - bietet uns beispielsweise Artikel zu den Themen Methanol - Methionin - Mett - Miesmuscheln - Migräne - Mikroalgen - Mikroben - Mikronährstoffe - Mikroorganismen und Mikrowellenherd an.

Was man sich an Themen rund um Ernährung vorstellen kann - sei es nun medizinisch, kulinarisch, technisch oder wissenschaftlich-, der Ernährungsbrockhaus kennt zumindest alle die, mit denen ich ihn und seine Autoren auf die Probe stellen wollte. Aber zu meinem Bedauern (oder doch meiner Freude) hat dieses Rennen eindeutig der Brockhaus gewonnen

Wo es sich anbietet, findet der Leser im Ernährungsbrockhaus nicht nur die wichtigsten Informationen zu den jeweiligen Themen. Im Anschluss an den Artikel sind oftmals auch Lesetipps mit Angaben zu weiterführender Literatur angegeben. Im Falle der “Migräne” gibt es auf der betreffenden Seite neben dem Artikel und den Lesetipps auch noch einen zusätzlichen Kasten mit “Tipps bei Migräne”. Der Leser wird also nicht nur mit theoretischer Information gefüttert, sondern es werden ihm auch zu vielen Themen leicht verständliche, praktische Hinweise.

Gut und sinnvoll ausgewählte Bilder und Grafiken lockern die Informationsflut angenehm auf und sind zusätzliches Anschauungsmaterial. Und dann sind da noch die “großen” Themen, also die Stichworte die mit einem “normalen” Lexikonartikel einfach nicht ausreichend erklärt wären. So gibt es etwa einen vierseitigen Text rund um das Lebensmittelrecht, das Thema Krebsvorsorge oder auch das Stichwort Fleischverbrauch. Allesamt sehr angenehm zu lesen, mit viel Wissen gespickt. 21 solcher Sonderartikel hat die Brockhaus-Redaktion in das Buch gepackt.

Das Schriftbild und die Gestaltung des Buches verdienen ebenfalls Lob. Übersichtlich und klar sturkturiert ohne langweilig oder nüchtern zu wirken sind die Seiten des Brockhauses - nicht zuletzt auch aufgrund der (meist, siehe Magengeschwür!) schönen Aufnahmen. Ich selbst habe mich seit Ankunft des Lexikons schon öfter dabei ertappt, dass ich nach dem Nachschlagen einfach am nächsten Artikel weitergelesen habe, einfach weil die Thematik “Ernährung” so spannend ist.

Entstanden ist das Buch in einer Kooperation des Brockhaus-Verlags mit Experten der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) unter deren fachlicher Leitung die Artikel recherchiert und schließlich veröffentlicht wurden.

Uns persönlich als Purzelpfund.de-Redaktion gefällt der Brockhaus Ernährung trotz eines Preises von rund 50 Euro sehr gut, eine Anschaffung, die sich aus unserer persönlichen Sicht voll gelohnt hat. Neben dem Duden steht bei Purzelpfund.de neuerdings auch der Brockhaus “Ernährung” ganz vorne im Regal.

Bildnachweis:
brockhaus.de


Produktwebsite von “Brockhaus”


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Bärig beerig - das Buch zur Beere

Verfasst am 9. Dezember 2007 in Obst, Lebensmittel, Ratgeber, Buchrezensionen, Allgemein von Redaktion

Wer vernünftig und gesund abnehmen will, der kommt an Obst nicht vorbei. Obst hat wenig Kalorien, macht satt, stillt die Gelüste nach Süßem und enthält jede Menge Vitamine und außerdem eine Vielzahl so genannter sekundärer Pflanzenstoffe (Phytamine), die allerhand positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unseren Organismus haben. Manche Früchte sind in dieser Hinsicht sogar so gehaltvoll, dass sie für sich alleine genommen schon fast eine kleine Apotheke darstellen - zum Beispiel die Apfelbeere, die in unseren Breiten auch unter ihrem (verkürzten) Gattungsnamen “Aronia” bekannt wurde.

aronia1.jpgWobei “bekannt” im Hinblick auf die Aroniabeere eher das falsche Wort ist, denn die Apfelbeere ist in Deutschland bisher eher ein Geheimtipp und fristet derzeit (noch) ein eher stiefmütterliches Dasein. Sowohl die Existenz der Beere an sich,wie auch ihre die Gesundheit fördernden Inhaltsstoffe sind noch weitestgehend unbekannt, auch wenn sich schon einige Unternehmer der Aronia angenommen haben und die fruchtige Hausapotheke gekonnt vermarkten. Doch mit der geringen Bekanntheit könnte bald Schluss sein: Sigrid Grün und Jan Neidhardt haben mit Ihrem Büchlein “Aronia - Unentdeckte Heilpflanze” den ersten Schritt gemacht, um der kleinen, blau-violetten Beere zu mehr Bekanntheit zu verhelfen. Auf 72 Seiten gehen die Germanistin und Tochter einer Heilpraktikerin und eines Obstbauspezialisten und der Biologe und Ethnobotaniker der Herkunft und dem Wesen der Aronia auf den Grund.

Die aus den nordöstlichen Staaten der USA stammende Beere ist im Hinblick auf den wirtschaftlichen Anbau eine relativ junge Obstart. Nach ersten Versuchen des russischen Botanikers Michurin anfang des 20. Jahrhunderts wurden erst nach dem Krieg erste kommerzielle Plantagen zum Anbau der Beere in Russland angelegt. In den 70er Jahren in Russland zur Heilpflanze erhoben, gelangte die Beere 1975 auf das Gebiet der damaligen DDR, wo die Aronia kultiviert und für Produkte der Luxus-Produktreihe “Delikat” verarbeitet wurde.

Grün und Neidhardt haben, wie das Quellenverzeichnis verrät, gründlich recherchiert und spannen einen weiten Bogen über die biologische wie geographische Herkunft der Aronia hin zu ihrem Einsatz als Kulturpflanze in den Anfängen und heute. Ergänzt werden die Informationen in den Texten mit anschaulichen Fotografien, Grafiken und Tabellen. Einen großen Teil des Buches nehmen außerdem die gesundheitlich-medizinischen Aspekte des Aronia-Verzehrs ein, sowie Tipps zur Kultivierung der Aronia im heimischen Garten ein. Besonderes Gewicht wird dabei auf das Kapitel “Anthocyane und Procyanidine” und damit auf die antioxidante Wirkung der Apfelbeere gegen freie Radikale gelegt.

aronia.jpgLeser, die schon heute Zugang zu frischen Aroniabeeren haben, finden gegen Ende des Buches einige Rezepte,mit deren Hilfe er die eigene Ernte in leckeres Kompott, Konfitüre, Eis, Likör oder Wein verwandeln kann. Sämtliche Rezepte, betonen die Autoren, wurden vor der Veröffentlichung gründlichen Geschmackstest unterzogen.

Bei all der Informationsfülle muss allerdings auch das eine oder andere Wort der Kritik gestattet sein. Aus der Feder Tastatur einer studierten Germanistin hätte ich persönlich ansprechendere Texte erwartet als die im Telegrammstil gehaltenen “Subjekt - Prädikat - Objekt”-Sätze. Gerade diese Ultra-Kurz-Sätze, in die sich eher selten ein Nebensatz verirrt, machen das Lesen des Buches aus meiner Sicht anstrengend. Unverständlich war für mich ist außerdem, warum das Interview mit dem Obstbauern Stolle über mehrere Seiten in der indirekten Rede abgefasst wurde, statt den übersichtlicheren und unmittelbareren “Frage - Antwort - Frage - Antwort”-Stil zu wählen.

Auch hätte ich es gerne gesehen, wenn das Kapitel “Ballaststoffe” mehr in Bezug zum eigentlichen Thema des Buches gesetzt worden wäre. Fast eine Seite referieren die Autoren über Ballaststoffe im Allgemeinen und Besonderen, doch lediglich die letzten beiden Sätze des Absatzes befassen sich dann wirklich mit der Aroniabeere:

Zu den Ballaststoffen gehören Zellulose, Pektin und Lignin. Die Aroniabeere enthält vor allem Pektin.

Gerade für die Laien unter den Lesern wären hier ein “Mehr” an Informationen wünschenswert gewesen. Was ist / sind Pektin(e), wo kommen sie vor, was bewirken sie.

Fazit:
Wenn ich einen Vergleich aus dem Sport, genauer dem Eiskunstlauf, bemühen wollte, müsste ich eine volle Punktzahl für die Pflicht, die Informationsvermittlung vergeben. Die B-Note für die künstlerische Wertung jedoch müsste aus den genannten Gründen einige Abzüge hinnehmen. Als Nachschlagewerk ist das Büchlein allerdings allemal lohnend.

Aronia - unentdeckte Heilpflanze
von Sigrid Grün und Jan Neidhardt
72 Seiten, Paperback - 19 x 14 cm
ISBN 978-3-934941-39-7
Preis: 9,90 Euro

Zu beziehen dort, wo es auch jede Menge feinen Saft (u.a. aus Aronia-Beeren) gibt, bei der Kelterei Walther.

 

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Die Burger-Diät -
oder kann man bei McD von 1300 kcal satt werden?

Verfasst am 16. November 2007 in Fast Food, Diäten, Lebensmittel, Buchrezensionen, Allgemein von Redaktion

Sie wundern sich, lieber Leser, warum schon wieder ein appetitlich aussehendes Fast Food-Produkt die Titelseite dieses doch mit “Abnehmen” befassten Blogs ziert? Nun, das liegt an der nicht enden wollenden Begierde der Menschen, Fast Food und Diät unter einen Hut bringen zu wollen.

Vor fast genau einem Monat berichteten wir unter der Überschrift Diätgeheimnis Hamburgerüber einen Schweden, der partout nicht von seinem Lieblingsessen, dem Burger lassen wollte und so beschloss mit seinen Burgern abzunehmen. Er ließ sich von seinem Stamm-Bulettenbrater sponsorn und nahm in den Wochen und Monaten seiner Diät über 30 Kilo ab.

mcrib.jpgNun geistert ein neuer Burger-Diäter durch die Medien. Maik Metze ist Call Center-Angestellter und liebt das Essen von McDonalds über alles. Über die Zeit hat sich Maik eine kleine Plauze angefressen, der er mittels insgesamt 15 Diäten (u.a. Kohlsuppen-Diät) erfolglos (bei Kohlsuppe kein Wunder!) beizukommen versucht. Immer wieder zieht es ihn zu McDonalds, und plötzlich ist sie da, die Idee. Essen bei McDonalds und dabei abnehmen, das wäre es doch. Gesagt, getan. Maik Metze isst täglich bei McDonalds, sechs Monate lang, nimmt 35 Kilo ab - und schreibt ein Buch darüber. “Die Burger-Diät” ist am 12. November im zsr Verlag erschienen.

Nun staunt der geneigte Leser, wie schnell wir dieses Buch gelesen haben. Wir gestehen, wir haben das Buch nicht gelesen, und haben es (inzwischen) auch nicht (mehr) vor. Wir haben jedoch die recht informative Website zum Buch www.burger-diaet.de studiert.

Eines gleich vorneweg. Das Buch wurde laut Aussage des Autors nicht von McDonalds unterstützt, selbst die Rechte an Produktfotos wurden ihm für das Buch verweigert. Vermutlich ist es McDonalds leid, immer wieder in die Nähe von Ernährungsproblemen gerückt zu werden, selbst wenn sie mit Burgern bekämpft werden.

Es geht in diesem Buch nur um eine einzige Sache: Ich wollte abnehmen und meine eigene Psyche austricksen, indem ich jeden Tag genau das essen kann, was ich am liebsten mag. Bei mir ist das das Essen von McDonald’s, bei anderen mag das sicher etwas anderes sein.

Soweit der Ausgangspunkt zur Burger Diät. Doch wie genau soll die Diät vor sich gehen? Auf der Website findet sich die Antwort. Neben den Nahrungsmitteln Burger und Pommes und ab und zu einen Salat steht das eigentlich banale Geheimnis der Burger-Diät: Kalorienzählen. 1300 Kalorien sind maximal pro Tag erlaubt. Und hier hat die Purzelpfund.de Redaktion das erste mal gestutzt.

Der Autor Maik Metze erklärt auf seiner Website den McRib zu seinem Lieblingsburger. Nun wollen wir doch mal einen kurzen Blick auf die Nährwertseite von McDonalds werfen. Laut diesen Angaben hat ein McRib 480 kcal, eine Portion mittlere Pomme Frites 340 kcal. Von der Tatsache ausgehend, dass Metze auf kalorienhaltige Getränke verzichtet hat, können wir also die 1300 Kalorien komplett in Essen anlegen:

1300 kcal = 2,7 McRib oder 1 McRib + 2 mittlere Pommes Frites oder 3,8 Portionen mittlere Pommes Frites.

Zum Vergleich: Der einzige Burger von McDonalds, der unter 300 Kalorien hat, ist der Hamburger mit 255 kcal. Wer schon mal bei Mc Donalds gespeist hat, der weiß, dass so ein Hamburger eine Füllung für einen hohlen Zahn ist und keineswegs geeignet ist, größere Hungergefühle länger als 10 Minuten im Zaum zu halten. Und von diesem Burger sollen fünf Stück (5 x 255 kcal = 1275 kcal) für die tägliche Ernährung ausreichen.

Verhältnismäßig kalorienarme Gesellen sind noch die Chicken Nuggets, von denen 6 Stück mit 250 kcal zu Buche schlagen. Und natürlich die Salate, die der Autor aber nur “ab und zu” gegessen haben will, weswegen wir sie hier nicht näher beleuchten. Wir wollen aber ausdrücklich unsere Leser dazu animieren, sich anhand der Kalorientabelle von McDonalds ein 1300 Kalorien-Tagespaket zu schnüren.

Wohl gemerkt - auch die Purzelpfund-Redaktion nimmt ab und zu gerne eine Mahlzeit unter den goldenen Bögen ein. Wer hier aufmerksam liest, weiß, dass der letzte Besuch nicht allzu lange zurück liegt. Und genau deshalb kennen wir die Produkte, dank McDonalds inzwischen auch die Kalorienzahlen und halten es für kaum möglich, sich nur mit 1300 kcal am Tag bei McDonalds zu ernähren.

Die Diät mag funktionieren, wenn man “nebenbei” kalorienarmes Obst und Gemüse zu sich nehmen darf. Doch das bestreitet der Autor vehement. Er will sich in diesem Monaten “ausschließlich mit Burgern, Pommes & Co.” ernährt haben. Und das können wir nach obigen Rechenbeispielen nicht glauben. Nach einer einzigen Mahlzeit (Burger und Pommes) ist mehr als die Hälfte des Kalorientagesbudgets verbraucht. Dazu kommt, dass das Sättigungsgefühl nach einer Mahlzeit bei McDonalds bedauerlicherweise nicht allzu lange vorhält.

Abschließend wollen wir noch anmerken, dass wir nicht grundsätzlich die Abnahme bezweifeln. Wir bezweifeln, dass sie exakt so zustande kam, wie sie auf der Website dargestellt wird. Und wir haben Zweifel, dass ein erwachsener Mann mit dem enorm flexiblen System von Weight Watchers - laut Inhaltsverzeichnis des Buches hat Maik Metze auch so versucht abzunehmen - nicht in der Lage ist, einen gelegentlichen McRib in seine Ernährung einzupassen.

Das Buch, ach ja. Vielleicht ist es ja wirklich unterhaltsam und bietet den einen oder anderen neuen Gesichtspunkt. Das Geheimnis der Diät, das Kalorienzählen ist ja schon auf der Website gelüftet worden.

Noch ein Schmunzler am Rande: Laut Angabe auf der Website war das Erscheinungsdatum des Buches der 12. November. Bereits am 9. November wurde “Die Burger-Diät” bei Amazon von einem Sebastian Schütte als “Suuuper! :-D” bewertet. Zwar steht in der Amazon-Rezension als Ortsangabe “Köln”, doch wer Google bemüht, findet auch einen Sebastian Schütte der die U14 Mannschaft des VFL Oldenburg betreut. Und wo lebt der Autor? Richtig, in Oldenburg.

Honi soit qui mal y pense! :D

 

Noch mehr Burger-Diäten:

www.burgerdiet.net:
Ein Deutscher in Singapur auf 30-Tage-Burger-Diät.

www.amonthoffastfood.com:
Noch mal 30 Tage bei McD - diesmal in Amerika.

www.liquidcalories.com:
Woody will beweisen, dass im Film “Supersize Me” die Kalorien von Milchshakes und Limonaden zur Zunahme führten - die 90 Tage Burger-Diät

www.truthinfitness.org:
Keine Diät - Chuzz ist 30 Tage normal bei McDonalds ohne Kalorienbeschränkung und nimmt 8 Pfund ab. Sein Geheimnis: Fitnesstraining.

 

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Moppelig sein - MoppelIch lesen

Verfasst am 7. November 2007 in TV, Presse, In den Medien, Erfahrungsberichte, Buchrezensionen, Ratgeber, Allgemein von Redaktion

In einem Sprechtraining lernen künftige Radioredakteure und -moderatoren wie man am elegantesten der deutschen Sprache Herr wird. Allerhand Regeln gibt es da zu beachten, eine der wichtigsten betrifft die Aussprache von ‘ig’ am Wortende, etwa in Kön-ig oder Hon-ig. Diese Worte werde keineswegs “ig” gesprochen sondern vielmehr mit einem “ich”, also Kön-ich, Hon-ich oder auch ekl-ich und moppel-ich.

Als langjährige Radiomoderatorin dürfte auch Bestsellerautorin Susanne Fröhlich irgendwann einmal solch ein Training besucht haben. Ob sie damals schon mit ihrem “Moppel-Ich” zu kämpfen hatte, ist nicht bekannt, aber zumindest könnte der Buchtitel hier seinen Ursprung haben.

Im Sommer 2004 war es, als Susanne Fröhlich mit ihrem Abnehm-Buch die Verkaufscharts stürmte. “Das lustigste Abnehmbuch der Welt” warb BILD und auch der STERN war sich sicher: “Kein anderes Diät-Buch liest sich vergnüglicher“. 750 000 verkaufte Exemplare machten den Titel letztlich zum beliebtesten Sachbuch 2004.

Doch was ist das “Moppel-Ich” denn nun? Ein Ratgeber, eine Biographie, ein humoriger Roman, oder eine niedergeschriebene Selbsttherapie? Nun, irgendwie ein bißchen von allem. Wer sich das Buch als Begleitung zu seinem Abnehmvorhaben kauft und liest, der wird sich immer wieder selbst finden, vor allem, wenn es um kulinarische Versuchungen und den viel gescholtenen inneren Schweinehund geht.

Wer schon mal abgenommen hat, der kennt die Gedankengänge, die dem “Moppel-Ich” auf der Suche nach dem schmalen Grat zwischen Genuss und ausgewogener Ernährung immer wieder druch den Kopf spuken.

Ich habe keine Lust, mir bei jedem Bissen, einer Köstlichkeit zu überlegen, wo sie sich für die nächsten Jahre an meinem Körper festsetzen wird und wie oft ich meinen Kopf gegen die Wand schlagen muss, um dabei die Reue über die 600 Kalorien zu verbrauchen, die ich gerade verputzt habe. Dann macht das Essen ja nun gar keinen Spass mehr, und das ist nicht der Sinn der Sache. Wenn man isst, sollte man es mit Freude tun. Kalorien reinschaufeln muss wenigstens Genuss bedeuten. Wer sich schon während des Essens grämt, hat tatsächlich überflüssige Kalorien zu sich genommen, von denen er nichts hat - außer Ärger und Frust.

So finden sich in Moppel-Ich Fröhlichs Diät-Tagebuch, das Thema Motivation wird mehrfach angeschnitten und auch die vertrackten Stolpersteine werden benannt - einschließlich eleganter “Umleitungen” um solche Hindernisse - und auch all die sensationellen Wundermittel haben Ihren Platz. Das alles schildert, bewertet und kommentiert das “Moppel-Ich” in der ihm eigenen, aus Funk und Fernsehen bekannt-direkten Art. Beispiel gefällig?

Nur von überschüssigen Pfunden Geplagte können davon überzeugt werden, dass man mit einem bestimmten Pulver oder einer bestimmten Kapsel in zwölf Tagen acht Kilo abnehmen kann, ohne gleichzeitig an einer tödlichen Krankheit zu leiden oder sich wichtige Körperteile amputieren zu lassen. Moppel hoffen einfach, dass manches Produkt größere Wunder vollbringt als Jesus in seiner aktiven Zeit.

Unterhaltsam auch Fröhlichs Briefe an ihre verschiedenen Körperteile und ihre Interviews mit Kolleginnen und Kollegen. Unnötig sind dagegen die immer wieder eingestreuten, verkrampft witzigen “Hitlisten” im Stile von “10 Gründe warum ich dick bleiben will”. Davon abgesehen ist “Moppel-Ich” eine unterhaltsame Lektüre für jeden “Moppel”, und ein bissl Therapie und Motivation kann man auch noch mitnehmen. Der Purzelpfund-Redaktion hat das Lesen des Buches auf jeden Fall viel Spass und Kurzweil bereitet.

Ob Moppel-Ich allerdings Vorbildcharakter darüber lässt sich streiten. Zumindest hat Frau Fröhlich deutlich gezeigt, dass Diäten im Gegensatz zu einer Ernährungsumstellung das Risiko des JoJo-Effekts in sich bergen. Wer erinnert sich nicht noch an ihren Auftritt bei “Wetten dass?” und das unschmeichelhaften Wiegeergebnis?

Links:
Website von Susanne Fröhlich

Bild-Interview mit Susanne Fröhlich.

 

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Allen Carr - Endlich Wunschgewicht!

Verfasst am 1. Oktober 2007 in Programme, Buchrezensionen, Allgemein von Redaktion

allen_carr.jpgDer Name Allen Carr dürfte allen, die mit offenen Augen durch Gesundheitsabteilungen der Buchhandlungen gehen, ein Begriff sein. Schlagzeilen machte der Engländer 1992 mit seinem Buch “Easy Way to stop smoking” (Deutscher Titel: Endlich Nichtraucher!) die Methode veröffentlichte, mit der er selbst (angeblich) schon im Jahr 1983 das Rauchen aufgegeben hatte. Dabei sollten die Leser durch eine Art positiver Gehirnwäsche, so Carr selbst, zum Weglegen der Glimmstängel bewegt werden.

Das Buch wurde ein riesiger Erfolg und Allen Carr wurde zum Universalheiler, der nun auch mit “Endlich ohne Alkohol”, “Endlich Sorgenfrei”, “Endlich fliegen ohne Angst” und “Endlich erfolgreich” seine eigenen und die Kassen der Buchhandlungen zum lauten Klingeln brachte. Und natürlich befasste sich Carr auch mit einem noch einträglicheren Thema - “Übergewicht” - Der Titel des Buches ist… na wie schon… “Endlich Wunschgewicht”.

Der Untertitel eben dieses Buches lautet “Der einfache Weg, mit Gewichtsproblemen Schluß zu machen” und der Klappentext verspricht “Schluss mit Jojo-Effekt” und “keine Vorschriften und Verbote”. Das klingt an sich ja schon traumhaft und war Grund genug für die Purzelpfund-Redaktion, das Buch von Allen Carr einmal genauer unter die Lupe zu nehmen - schließlich weiß man ja nie, wo der bahnbrechende Anstoss zur mühelosen Gewichtsreduktion herkommt.

In den ersten Kapiteln des Buches nimmt Carr allzu häufig “Anleihen” bei seinem eigenen Werk zur Raucherentwöhnung und stellt die Sucht eines Rauchers mit der eines Übergewichtigen - nämlich zu viel zu essen - gleich. So heißt es an einer Stelle:

Zwischen Rauchen und Essen gibt es sehr enge körperliche und geistige Verbindungen; noch mehr Ähnlichkeiten bestehen ziwschen dem Rauchenaufhören und dem Abnehmen. Beide, sowohl Raucher als auch Übergewichtige, leiden unter einer Art Schizophrenie und vollführen einandauerndes Tauziehen in Ihrem Kopf.

Leider hinkt dieser Vergleich gewaltig. Leben ohne Rauchen kann perfekt funktionieren, Leben ohne Essen jedoch nicht. Essen ist im Gegensatz zur “Vergnügungssucht” Rauchen ein absolut lebensnotwendiger Vorgang, der bei Übergewichtigen Menschen aus den verschiedensten Gründen aus dem Ruder gelaufen ist. Essen kann man eben nicht aufhören, sondern lediglich anders gestalten. Außerdem wird es für Nichtraucher mit fortschreitender Lektüre immer nerviger, dauernd darauf hingewiesen zu werden, wie toll man mit Carrs anderem Buch das Rauchen aufgeben kann. Insofern ist die Lektüre des Buches zu einem Drittel Zeitverschwendung, es sei denn, man will gleichzeitig das Rauchen aufgeben und abnehmen.

gorilla.jpgAllen Carr geht von der These aus, dass der Mensch von einem “Schöpfer” erschaffen wurde, und dass dieser “Schöpfer” auch eine “Bedienungsanleitung” für die richtige Ernährung seines Geschöpfes hinterlassen hat. Der Mensch müsse sich nur auf die Natur besinnen und die Gehirnwäsche, der wir alle durch Eltern und Werbung unterliegen, überwinden, um zu erkennen, dass es nur eine richtige Art der Ernährung für den Menschen gibt, nämlich das, was uns die Natur vorgibt. Der Gorilla dient hier als als Vorbild - Gorillas ernähren sich von Blättern und Früchten und strotzen trotz fleischloser Ernährung vor Kraft und Gesundheit. Folglich ist die vom Schöpfer für den Menschen empfohlene Ernährung vergleichbar mit der eines Gorillas.

Deutlich tritt Carrs “Gehirnwäscheprinzip” hier zu Tage: Gebetsmühlenartig wird wiederholt, dass man nach Carrs Methode soviel von seinem Lieblingslebensmittel zu sich nehmen kann, wie man nur will und sich trotzdem gesund ernährt und Gewicht verliert.

Sie können so viel von Ihrer Lieblingsnahrung essen, wie sie wollen, sooft Sie wollen, und genau das Gewicht haben, das Sie sich wünschen, ohne nach einer Diät leben zu oder spezielle Übungen machen zu müssen und ohne den Einsatz von Willenskraft oder Hilfsmitteln und ohne sich schlecht zu fühlen oder ein Verlustgefühl zu empfinden.

Ach ja, Lieblingsnahrung. Wenn Ihr Lieblingsessen Pomme Frites oder Schweinebraten sind, dann haben Sie trotzdem Pech, irgendwie zumindest. Denn, Gehirnwäsche zweiter Teil, parallel dazu wird dem Leser eingetrichtert, dass das Lieblingsessen des Menschen von Natur aus Obst und Gemüse ist.

Beim Betrachten aller Beweise hoffe ich, daß klar ersichtlich ist, dass die für den Menschen geschaffene Nahrung frisches Obst ist, ergänzt durch Nüsse, Gemüse, Getreide und bestimmte andere Pflanzen.

Alle verarbeiteten Lebensmittel, ebenso wie Milchprodukte und Fleisch sind verpönt, aber im gleichen Atemzug wird immer wieder betont, dass es keine Vorschriften und Verbote bei der Anwendung der Allen Carr Methode gibt.

Was am Ende herauskommt ist eine spezielle Art von Trennkost, die auf folgenden Richtlinien beruht:

Zum Frühstück wird nur Obst gegessen. Obst darf nicht mit anderen Lebensmitteln und Eiweiß nicht mit Kohlenhydraten kombiniert werden. Pro Mahlzeit ist nur ein konzentriertes Lebensmittel (= alles außer frischem Obst und Gemüse) gestattet. Gemüsesorten mit hohem Wassergehalt können mit Eiweiß oder Kohlenhydraten kombiniert werden. Zudem sollen nach Möglichkeiten alle Lebensmittel unverarbeitet verzehrt werden.

Laut Mr. Carr ist dies die Bedienungsanleitung für die gesunde menschliche Ernährung, wobei Ausnahmen (Fleisch, Fastfood, Schokolade) selbstverständlich erlaubt sind - aber eben die Ausnahme bleiben sollen, um die Abnahme nicht zu gefährden, bzw. eine Zunahme zu verhindern.

Fazit:
Aus der Sicht von Purzelpfund liegt hier nicht der große Wurf in Sachen “Weg zum Wunschgewicht” vor. Die Regeln sind kompliziert, und die Kombinationsmöglichkeit der Lebensmittel ist so stark eingeschränkt, dass “normale” Mahlzeiten nicht möglich sind, insofern handelt es sich doch um einen ganz erheblichen Eingriff in bestehende Ernährungsgewohnheiten. Wer viel Obst und Gemüse isst und auf Fleisch und Schokolade verzichtet nimmt automatisch weniger Kalorien zu sich als vorher und wird dadurch auch Gewicht verlieren, es ist nur fraglich, ob solch strenge Regeln für eine lebenslange Ernährungsumstellung, die zur Vermeidung eines Jojo-Effekts nötig ist taugt. Es wird hier durch ein zugegebenermaßen gutes Marketing versucht einen alten Hut im neuen Gewand zu verkaufen - alles in allem nicht sehr überzeugend.

 

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Fleisch, das auf der Zunge zergeht

Verfasst am 13. Juli 2007 in Buchrezensionen, Allgemein von Redaktion

Es ist eine Situation, die jeder Hobbykoch und jeder Hausmann / jede Hausfrau mit Sicherheit schon einmal durchleben musste: Der Braten sieht lecker aus, ist geschmacklich vielleicht sogar gut gelungen aber die Trockenheit des Fleisches macht einen echten Genuss unmöglich.

Im April 2006 erregte ein Bericht in der Kochrubrik des “Stern” große Aufmerksamkeit. Ein schweizerischer Hobbykoch plädierte unter dem Titel “Wie der Saft wirklich im Fleisch bleibt” für das sanfte Garen von Fleisch. Zu deutsch, die Kerntemperatur des Fleisches dürfe nie über eine bestimmte, von Fleischsorte zu Fleischsorte unterschiedliche Kerntemperatur (+/- 60°C) steigen. Der Hintergrund: Ab dieser Temperatur beginnt das Eiweiß im Fleisch zu gerinnen, das Fleisch trocknet aus.

Die Methode an sich war nicht neu, nur Werner Wirth, der Hobbykoch und Metzger aus dem Berner Land drehte - um auch sprachlich im Bild zu bleiben - den Spieß um. Statt wie bisher üblich das Fleisch anzubraten und dann ruhen zu lassen, ließ Wirth das Fleisch vor der Zubereitung drei Tage in einer Marinade ruhen. Drei Stunden vor der Zubereitung nimmt er das Fleisch aus der Kühlung und lässt es bei Zimmertemperatur nochmals. Bei 80°C kommt das Fleisch dann bis zum Erreichen einer Kerntemperatur von 55°C in den Ofen, bevor es rundherum braun angebraten wird - nur um dann wieder bei 60°C noch ein bis zwei Stunden zu ruhen.

Wir haben Wirths Methode an Ostern mit einem schönen Stück Kalbsfilet getestet. Insgesamt brachte das Fleisch fast fünf Stunden in unserem Ofen zu, das Ergebnis war jedoch phänomenal. Ein Steakmesser? Wozu? Das Filet ließ sich mit der Gabel zerteilen, so zart war das Bratergebnis. Dazu der Saft im Fleisch, ein besseres Stück Fleisch hatten wir bis dahin nicht gegessen.

Apropos Gabel - Werner Wirth hat nachgelegt, in Buchform. “Gabelzart” heißt das Werk, das neben der Anleitung zum sanften Garen auch zahlreiche Rezepte bereit hält. Hochinteressant und lehrreich sind auch die Seiten mit der ausfühlichen Fleischkunde, die aus der Feder eines erfahrenen Metzgers zusätzliches Gewicht bekommt. Welches Fleisch wie behandelt werden will, Werner Wirth weiß es und er teilt es gerne mit. Und wer beim Lesen plötzlich rätselt, was ein “Schweinsplätzli vom Stotzen” ist, der muss im angehängten Glossar “Schwyzerdütsch-Deutsch” nachschlagen, denn wie schon gesagt: Werner Wirth ist Schweizer und das lässt er sich weder beim Kochen noch beim Schreiben nehmen. ;)

 

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